Geöffnete Rauchabzüge auf einem Dach Quelle: FVLR
Entsprechend der Musterbauordnung bzw. den rechtlich verbindlichen Umsetzungen in den Bundesländern muss die Öffnung zur Rauchableitung einen freien Querschnitt von 2,5 % der Fahrschachtgrundfläche, mindestens jedoch 0,10 m2 haben. Quelle: FVLR

Planung | Ausführung

27. September 2021 | Teilen auf:

Luftdichtigkeit von Öffnungen zur Rauchableitung in Aufzugsschächten

Neues Merkblatt des FVLR, FLiB und GRW

Zum Zweck der Rauchableitung im Brandfall sowie zur Belüftung sind am oberen Ende eines Aufzugsschachts Öffnungen anzubringen. Welche Anforderungen insbesondere zur Einhaltung des Gebäude Energiegesetzes (GEG) dafür gelten, hat der Fachverband Tageslicht und Rauchschutz e.V. (FVLR) gemeinsam mit dem Fachverband Luftdichtigkeit im Bauwesen e.V. (FLiB) und der Gütegemeinschaft Rauch-und Wärmeabzugsanlagen e. V. (GRW) in einem neuen Merkblatt erarbeitet.

Das neue Merkblatt zur Luftdichtigkeit von Öffnungen zur Rauchableitung in Aufzugsschächten ist vor allem für Architekten, Planer, TGA-Planer, Lüftungsbauer, Bauherren und Monteure interessant.

Aus Brandschutzgründen werden Aufzüge in den meisten Fällen mit eigenen Fahrschächten ausgeführt. Dieser Fahrschacht muss je nach Gebäudeart unterschiedlichen brandschutztechnischen Anforderungen genügen, um im Brandfall eine Rauch- und Brandausbreitung über den Aufzug zu verhindern. "Für die tägliche Nutzung müssen die Fahrschächte zu lüften und für den Brandfall zu entrauchen sein", verdeutlicht Ulrich Koch. Der Geschäftsführer des FVLR weiter: "Seit vielen Jahrzehnten wird diese Öffnung daher als einfache, permanente Öffnung im Dach oder der Fassade ausgeführt, die i.d.R. nicht verschlossen war."

Öffnungen zur Rauchableitung dürfen mit Abschlüssen versehen werden

Mit dem neuen Gebaudeenergiegesetz (GEG), das seit dem 1. November 2020 in Kraft ist, sind Gebäude allerdings so zu errichten, dass sie nach den anerkannten Regeln der Technik dauerhaft luftundurchlassig sind. Die freien Querschnitte der Öffnungen zur Rauchableitung stellen jedoch eine permanente Leckage in der Gebäudehülle dar. Damit sind erhebliche Energieverluste der Gebäude verbunden. Damit die Dichtheitsanforderung nun auch bei den Öffnungen zur Rauchableitung in Aufzugsschächten erfüllt werden kann, wurde der § 39 der Musterbauordnung angepasst. Ab sofort dürfen die Öffnungen zur Rauchableitung auch mit Abschlüssen versehen werden. Voraussetzung ist, dass diese im Brandfall selbsttätig und zusätzlich von mindestens einer Stelle aus manuell geöffnet werden können.

Auswahl der Bauprodukte entscheidend

Eine weitere Änderung: Im Rahmen der Überprüfung der Luftdichtigkeit durch der Blower-Door-Test von Gebäuden wurden die Öffnungen bisher temporär verschlossen. Mit einer Aktualisierung der DIN EN ISO 9972:2018-12, als Grundlage für die Nachweisführung durch den Blower-Door-Test, ist dies zukünftig nicht mehr erforderlich. „Wichtig ist jedoch, dass die permanenten Öffnungen in der grundsätzlichen Auslegung des Gebäudes berücksichtigt werden“, berichtet Ulrich Koch. „Kommen Abdeckungen wie zum Beispiel Lichtkuppeln oder Flachdachfenster zum Einsatz, reduzieren sie die Energieverluste natürlich erheblich. Aber auch diese Produkte können keine 100-prozentige Luftdichtigkeit garantieren. Daher sollten nur Bauprodukte zum Einsatz kommen, für die entsprechende Nachweise über die Luftdichtigkeit vorliegen. Diese Werte können dann in der Auslegung berücksichtigt werden.

Das Merkblatt Nr. 16 "Öffnungen zur Rauchableitung in Aufzugsschächten: Gebäude Energiegesetz (GEG)- Luftdichtigkeit" ist im August 2021 erschienen und kostenfrei als Download über die Website des FVLR erhältlich.

Fachverband Tageslicht und Rauchschutz e.V.
www.fvlr.de