3D-Modell eines Gebäudes
Quelle: Pexels auf Pixabay

Planung | Ausführung

2. December 2022 | Teilen auf:

Digitaler Bauantrag: Mehr Geschwindigkeit und Qualität?

Im Gespräch mit André Vonthron, Mitbegründer VSK Software GmbH und Mitarbeiter in Forschungsprojekten

Über den Stand der Digitalisierung bei der Einreichung von Bauanträgen und die zu erwartenden Auswirkungen des durchgängigen Einsatzes der BIM-Methode sprachen wir mit André Vonthron, Mitbegründer der VSK Software GmbH und Mitarbeiter in mehreren einschlägigen Forschungsprojekten.

Herr Vonthron, mehrere Initiativen bemühen sich um das Voranbringen des "Digitaler Bauantrags". Was genau ist darunter zu verstehen?

Unter dem "Digitalen Bauantrag" wird aktuell vor allem die Einreichung des bisher in Papierform durchgeführten Bauantrags in elektronischer Form verstanden. Damit wird der maßgebliche Beitrag zur OZG-Vereinbarung des Bundes geleistet. Ziel ist es aber, nicht nur die bisherigen Dokumente und Pläne in einer gescannten Version vorliegen zu haben, sondern mit maschinenlesbaren Daten zu arbeiten. Ein Referenzbeispiel ist die digitale Steuererklärung, deren Reifegrade auch der Bauantrag erreichen soll.
Digitalisierung bedeutet aber auch grundsätzlich den Einsatz neuer Technologien und die Erleichterung aufwendiger Arbeitsschritte durch Automatisierung.

Daher ist die zweite, spannendere Aufgabe im Bereich des digitalen Bauantrags die Integration von modellbasierten Daten in den Antrags- und Genehmigungsprozess. In der Bauwirtschaft wird die durchgängige Anwendung von Building Information Modeling (BIM), wobei mit mit digitalen, dreidimensionalen und smarten Gebäudemodellen gearbeitet wird, immer wichtiger. Hier ist die Einreichung und Genehmigung ein wichtiger Teil der Prozesskette. Gebäudedaten können direkt, ohne Medienbruch wiederverwendet und die Prüfung von Bauvorschriften automatisiert werden.

3D-Modell eines Gebäudes
Die automatisierte Kontrolle von BIM-Modellen durch Software kann schon im Vorfeld der behördlichen Prüfung eines Bauantrags Unstimmigkeiten aufdecken und den Gesamtprozess so beschleunigen. (Quelle: VSK Software GmbH)

Welche Vorteile hätte eine digitale Einreichung, Prüfung und Genehmigung von Bauanträgen?

Die Einreichung in digitaler Form bringt zunächst erst einmal den Vorteil einer schnellen und umweltfreundlichen Übertragung der Bauantragsunterlagen ohne den notwendigen Postweg, nach dem gleichen Prinzip, wie wir heutzutage selbstverständlich die E-Mail benutzen.

Wenn zudem der Bauantrag in einer digital auswertbaren Form eingereicht wird, können vorab bereits viele Randbedingungen überprüft werden, beispielsweise, ob alle Unterlagen vollständig und auch plausible Werte in ein Antragsformular eingetragen worden sind. Bei der Stellung eines Bauantrags verstreicht viel Zeit, bis es überhaupt zur eigentlichen inhaltlichen Prüfung kommt.

Die Integration von BIM wird die Bedeutung des digitale Bauantrags nochmal auf ein komplett anderes Level bringen. Dreidimensionale BIM-Modelle, die auf Seiten des Entwurfsverfassers erstellt wurden, können direkt und ohne Konvertierungsprozess als 2D-Pläne weiterverwendet werden. Durch automatisierte Prüfprozesse am Modell kann die Konformität mit vielen Bauvorschriften sofort überprüft werden. Wenn zudem der Entwurfsverfasser vor der Einreichung das gleiche Prüfprogramm ausführt, kommt es insgesamt zu einer besseren, den Bauvorschriften entsprechenden Bauvorlage und nochmal zu einer Verschlankung des Genehmigungsprozesses. Übrigens: Durch automatisierte Prüfung auf Antragstellerseite können jetzt schon viele Mehrwerte erreicht werden, da sich auch die konforme Planung in der Qualität von abgeleiteten 2D-Plänen widerspiegelt.

Ist der digitale Bauantrag gleichbedeutend mit dem Einführen der BIM-Methode?

Mit dem Verständnis nach der OZG-Vereinbarung geht es erst einmal um die digitale Kommunikation mit der Behörde. Die Einführung der BIM-Methode ist ein grundlegender Baustein der Digitalisierung in der Bauwirtschaft, die nicht nur den Bauantrag betrifft.

Viele Architekten und Planer arbeiten bereits mit der BIM-Methode. Hier wird die Einführung der BIM-Methode durch den Markt bestimmt und bringt Vorteile in vielen Phasen des Planens, Bauens und Betreibens. Für die Bauaufsichtsbehörden ist es auch wichtig, sich mit diesem Thema intensiv zu beschäftigen. Dabei geht es nicht nur um die Anwendung im Bauaufsichtsverfahren. Auch in anderen Bereichen wie der Stadtplanung oder der Erfassung von Bestandsbebauung wird BIM immer wichtiger. Die Verwendung als Teil des digitalen Bauantrags ist hier nur ein Baustein in Richtung einer ausgefeilten Strategie zur Verwaltungsdigitalisierung.

Was können Planende und Behörden bzw. Prüfende jetzt tun, um gut gerüstet zu sein für diesen Digitalisierungsschritt?

Wichtig ist es, sich mit den BIM-Themen zu beschäftigen und Stück für Stück Bausteine der BIM-Methode zu adaptieren, um so Prozesse zu optimieren. Behörden müssen ein Gefühl dafür bekommen, wie BIM-Modelle aufgebaut sind und wie die Informationen aufzufinden sind, die sonst nur in 2D-Plänen vorliegen. Im nächsten Schritt sollte eine Prüfsoftware angeschafft und einfache Prüfungen am Modell durchgeführt werden. So kann ein BIM-Prüfprozess aufgebaut werden, der Behörden und Antragsteller bei der Prüfung entlastet.

Wie weit ist die Standardisierung von digitalen Gebäudemodellen, die zur Genehmigung eingereicht werden können?

Bezogen auf die Datenformate für die Übergabe von Gebäudemodellen gibt es bereits den internationalen anerkannten IFC-Datenstandard (IFC = Industry Foundation Classes). In Deutschland gibt es für die maschinen-lesbare Abbildung von Bauanträgen (XBau-Standard) und Abbildung von Plandateien (XPlanung-Standard) bereits festgelegte Standards.

Wichtig ist aber auch, dass Prozesse und Modellierungsvorgaben standardisiert werden, um einheitliche Grundlagen der Zusammenarbeit zu schaffen. Für ein BIM-basiertes Bauantragsverfahren bedeutet das, dass klare Anforderungen in Form einer Modellierungsrichtlinie festgehalten werden sollten. Diese Grundlage sollte dann von der einzureichenden Behörde oder gleich auf Landesebene über ein Bauportal verfügbar gemacht werden.

Nicht alle Bundesländer verfolgen derzeit die gleichen technischen Lösungen. Müssen wir mit einem föderalen "Wildwuchs" bei den digitalen Portalen, Dateiformaten und Workflows rechnen?

Eine einheitliche technische Lösung oder Software kann nicht vorgeschrieben werden und sollte im Sinne der Technologieentwicklung auch kein Monopol bilden. Wichtig ist es aber, auf einheitliche und offene Datenstandards zu setzen, sodass die Hoheit der Daten bei den Nutzern selbst liegt und die Lesbarkeit der Inhalte nicht von einem konkreten Produkt abhängig ist. Auch bei den Workflows ist es wichtig, regelmäßige Abstimmungen vorzunehmen. Hier kann als Beispiel wieder die digitale Steuererklärung genannt werden, die durch das ELSTER-Portal des Bundes, aber auch durch andere Softwareanbieter erstellt werden kann. Am Ende landen alle Daten über die gleiche Schnittstelle und im gleichen Aufbau bei der zuständigen Steuerbehörde. So sollte es in Zukunft auch im Bauantragsverfahren laufen.

Wo können sich Interessierte tiefer in das Thema einlesen und an wen wendet sich z.B. ein Planungsbüro mit seinen Fragen am besten?

Die Anwendbarkeit von BIM im Baugenehmigungsverfahren wurde im Rahmen der ZukunfBau Initiative des Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) von 2017-2022 erforscht [1] und ist öffentlich zugänglich. Zudem wird vom Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) aktuell ein Forschungsprojekt zur Digitalisierung der Musterbauordnung [2] gefördert. An einem Modellprojekt in Dortmund wurde bereits die erste BIM-basierte Baugenehmigung im Jahr 2021 erteilt. Die Ergebnisse sind ebenfalls öffentlich zugänglich [3]. Zudem entwickelt die Stadt Bochum aktuell einheitliche Modellierungsvorgaben zur Prüfung nach der Landesbauordnung NRW und möchte in den kommenden Jahren einen Online-Anwendung zur dreidimensionalen Vorprüfung anbieten. Der Kontakt kann hier über die VSK Software GmbH [4] hergestellt werden.

Surftipp: Fachinformationen zum digitalen Planen, Bauens und Betreiben

Das Online-Portal 4builders.net bietet Fachwissen für die Bereiche Planen, Bauen und Betreiben. Neben dem Schwerpunkt BIM werden die Themen Bausoftware, IoT, Smart Living/Home/City, innovative technology und New Work in den Fokus gestellt: www.4builders.net

zuletzt editiert am 13.12.2022