Ein futuristischer Roboter in einem modernen Büro, der neben einem arbeitenden Mann sitzt.
Quelle: KI-generiert mit Midjourney

Planung | Ausführung 2026-04-21T08:50:35.542Z „Eine fachliche Prüfung der KI-Ergebnisse bleibt unerlässlich“

Im Gespräch mit Percy Görgens

Künstliche Intelligenz bietet auch im vorbeugenden Brandschutz eine Unterstützung, zeigt jedoch klare Grenzen bei komplexen Ingenieuraufgaben. Sie optimiert Dokumentationsprozesse und liefert schnelle Antworten, ist aber in sicherheitsrelevanten Bereichen auf menschliche Prüfung angewiesen. Im Interview erläutert Percy Görgens Möglichkeiten und Grenzen von KI im vorbeugenden Brandschutz.

Sie sagen, KI sei heute eher ein schneller Assistent im Hintergrund – kein Planer, aber ein guter Helfer. Was bedeutet das konkret für den Alltag eines Fachplaners?

Man muss ehrlich sagen, dass KI im Augenblick noch in den Kinderschuhen steckt. Eine KI ist nur so gut wie die Informationen, die ich ihr im Vorfeld gebe, bzw. die Qualität meines Prompts. Ich kann das an einem Beispiel festmachen: In der Brandmeldetechnik reden wir häufig von BMA oder BMZ. Die BMA ist die Gesamtanlage und an eine BMZ sind Melder, Steuerung und weitere Komponenten angeschlossen. Wenn ich mich auf der Baustelle einmal schwammig ausdrücke, wissen trotzdem alle Beteiligten, was ich meine. Aber bei einer KI ist das anders: Sie weiß nicht, wovon ich rede, wenn ich nicht konkret genug bin. Wenn man das jedoch tut, kann sie enorm schnelle Antworten liefern.

Welche Tätigkeiten in der Büro- und Dokumentationsarbeit profitieren derzeit am stärksten von KI-Unterstützung?

Bei Ausschreibungen arbeiten wir z. B. mit verschiedenen Textblöcken, etwa für Rauchmelder oder Wärmemelder. Solche Textbausteine erstellt die KI im Hintergrund problemlos – man stellt ihr einfach ein Template zur Verfügung, das man vorher erstellt hat. Dann sucht sie beispielsweise eine Funktionsbeschreibung oder die Leistungsbeschreibung eines Melders von einem Hersteller aus und integriert diese in die Vorlagen. Das funktioniert gut und spart einiges an Zeit.

Umfrage: KI in der Brandschutzplanung und -genehmigung

Künstliche Intelligenz (KI) hält zunehmend Einzug in viele Bereiche des Bauwesens – auch in den vorbeugenden Brandschutz. Wir möchten herausfinden, wie KI-Anwendungen in der Brandschutzplanung und -genehmigung derzeit genutzt werden, welche Erfahrungen Sie damit gemacht haben und wie Sie zukünftige Entwicklungen einschätzen.

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Welche Vorteile sehen Sie in KI-gestützter Recherche, z. B. für Normen oder Herstellerinformationen?

Ich selbst beschäftige mich mit Brandmeldetechnik, Sprachalarmierungstechnik und Brandwarnanlagen. Ich habe kein Planungsbüro für die gesamte TGA oder Elektrotechnik, nur diese drei spezifischen Bereiche sind meine Kerngebiete. Wenn ein Auftrag beispielsweise adaptive Fluchtweglenkung umfasst, nehme ich Gemini oder ChatGPT zur Hilfe, um zunächst ein Grundverständnis zur Sicherheitsbeleuchtung zu bekommen: Welche Normen gibt es überhaupt? Müssen die Errichter und Planer zertifiziert sein? Solche grundlegenden Informationen kann ich dank KI sehr schnell finden.

Gibt es Punkte, an denen Sie Schwachstellen sehen?

Was ich im Augenblick tatsächlich sehr kritisch sehe, liegt in der Programmierung dieser Sprachmodelle. Denn deren oberste Priorität ist: „Mach deinen User glücklich.“ Das bedeutet: Selbst wenn die KI in den 7 Mrd. Datensätzen, die sie gelernt hat, nichts Relevantes findet, erfindet sie lieber etwas, statt zu sagen: „Ich kann dazu keine Antwort geben.“ Das ist besonders bei sicherheitsrelevanten Themen ein großes Problem.

Konkret gefragt: In welchem Maße setzen Sie persönlich im Büro KI bereits ein – und wie viel Zeit schätzen Sie, sparen Sie an welcher Stelle? Überprüfen Sie die KI-Ergebnisse noch mal, oder wie sind Ihre Erfahrungen im Hinblick auf Fehler?

Die Fehler, die auftreten, kommen häufig von ähnlichen Artikelbezeichnungen. Wenn Siemens z. B. seinen Rauchmelder RM 15 nennen würde und Esser ein Modell RM 163 oder RM 175.55 hat, kann die KI durcheinanderkommen. Sie schaut nicht genau, ob es sich wirklich um einen Rauchmelder handelt, sondern geht von der Bezeichnung aus: Da steht „RM“, da ist „15“, das scheint zusammenzugehören. Dann zieht sie sich die falschen Daten heraus. Solche Fehler passieren. Letztlich hängt alles wieder von der Qualität meiner Prompts ab – je besser ich die KI „füttere“, desto besser wird das Ergebnis. Besonders bei sicherheitskritischen Themen muss man die Ergebnisse aber immer überprüfen.

Wo liegen heute die klaren Grenzen von KI in der Ingenieurleistung?

Die Grenzen von KI liegen klar in der Komplexität individueller Ingenieuraufgaben. Die KI kann schnell Antworten liefern und Standardprozesse unterstützen. Aber wenn es darum geht, selbstständig Planungsentscheidungen zu treffen oder technische Zusammenhänge zu bewerten, ist sie nicht qualifiziert. Gerade bei sicherheitsrelevanten Aspekten bleibt die Ingenieurleistung in der Verantwortung des Menschen.

Welche Risiken sehen Sie bei der Nutzung unzureichend geprüfter KI-Ausgaben?

Das größte Risiko liegt darin, dass fehlerhafte oder unvollständige Informationen von der KI nicht direkt erkennbar sind. Wenn man diese Ergebnisse einfach übernimmt und nicht kritisch hinterfragt, können gravierende Probleme entstehen. Insbesondere im Brandschutz, wo Normen und Vorschriften absolut unerlässlich sind, darf man sich nicht ausschließlich auf eine KI verlassen. Eine fachliche Prüfung der KI-Ergebnisse ist und bleibt unerlässlich.

Sie betonen: „KI ist heute kein Monteur – sie sitzt im Büro und hilft beim Papierkram.“ Welche Aufgaben übernimmt KI für Errichter bereits zuverlässig?

Die größte Stärke von KI zeigt sich in der Automatisierung von Dokumentationsaufgaben. Große Errichter mit Hunderten von Instandhaltungskunden profitieren enorm, wenn Berichte durch KI ausgewertet werden. Beispielsweise könnte die KI analysieren, bei welcher Anlage von welchem Hersteller bestimmte Melder besonders häufig ausfallen, und darauf hinweisen, dass diese häufiger auf Lager gehalten werden sollten. Solche datengetriebenen Auswertungen ermöglichen effizienteres Arbeiten. Zudem sehe ich Potenzial in der Erstellung kurzer Lernvideos durch KI, die komplizierte Vorgänge einfach erläutern, etwa das Bedienen von Geräten oder das Durchführen spezifischer Abläufe. Auch die Unterstützung bei der Ausarbeitung von Wartungsberichten ist ein Bereich, in dem KI effektiv arbeiten kann, indem sie strukturierte Textbausteine generiert.

In welcher Form wird KI die Qualitätssicherung auf der Baustelle oder im Büro beeinflussen?

KI wird insbesondere bei der Nachverfolgung und Vereinheitlichung von Dokumenten wie Inbetriebnahme- und Abnahmeprotokollen relevant. Sie könnte z. B. fehlerhafte oder unvollständige Protokolle identifizieren und mit bekannten Daten automatisiert ergänzen. Auch die Lesbarkeit und Korrektheit von handschriftlichen Berichten oder schlecht formulierten Texten könnte eine KI optimieren. Wenn eine Vielzahl an Berichten von verschiedenen Technikern analysiert und standardisiert wird, können einheitliche und besser verständliche Dokumentationen erstellt werden. Damit ließen sich sowohl die Qualitätssicherung als auch die Kommunikation zwischen Baustelle und Büro erheblich verbessern.

Was verstehen Sie unter einem „gemeinsamen Werkzeugkasten“ aus KI für Planer und Errichter?

Ein solcher „Werkzeugkasten“ wäre eine gemeinsame Plattform, auf die sowohl Planer als auch Errichter zugreifen könnten. Angenommen, ich könnte meine Daten über einen zentral zugänglichen NAS-Server bereitstellen, dann hätten Errichter auch außerhalb meiner Arbeitszeiten Zugriff auf relevante Projektdetails. So könnten sie sich eigenständig notwendige Informationen beschaffen. Wenn diese Plattform zusätzlich durch KI unterstützt würde, könnten komplexe Zusammenhänge automatisch erklärt und interpretierbar gemacht werden. Ein solches System würde die Kommunikations- und Arbeitsprozesse zwischen Planern und Errichtern deutlich vereinfachen und die Qualität der Zusammenarbeit verbessern – besonders bei der Umsetzung normativer Anforderungen, die oft Interpretationsspielraum lassen.

Das Interview ist in  Ausgabe 1.2026 des FeuerTrutz Magazins  (Februar 2026) erschienen.

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zuletzt editiert am 21. April 2026