Laptop mit Gebäude überlagert
BIM gilt als wichtiger Bestandteil der Digitalisierung der Baubranche im Allgemeinen, und auch das Interesse der Auftraggeber hinsichtlich der Implementierung des Brandschutzes in seine Bauwerksmodelle ist in den letzten Jahren merklich gestiegen. (Quelle: LUNEMax auf Pixabay / Jason Goh auf Pixabay)

Planung | Ausführung

27. September 2022 | Teilen auf:

Wie viel Brandschutz braucht BIM?

Im Gespräch mit Tim Obermeier (Fachgruppensprecher bei buildingSMART) und Peter Dahnke von hhpberlin

Die Planungsmethode Building Information Modeling (BIM) gilt als wichtiger Bestandteil der Digitalisierung der Baubranche im Allgemeinen. Welchen Stellenwert BIM in der Brandschutzplanung einnimmt und welche Möglichkeiten es gegenwärtig bietet, darüber sprachen wir mit Tim Obermeier von hhpberlin, dem Sprecher der Brandschutz-Fachgruppe bei buildingSMART, und seinem Kollegen Peter Dahnke.

FeuerTrutz Magazin: Herr Obermeier, Herr Dahnke, Sie sind Sachverständiger bzw. Fachplaner für vorbeugenden Brandschutz bei hhpberlin. Sie, Herr Obermeier, treiben zudem als Fachgruppensprecher bei buildingSMART das Thema Building Information Modeling für den Brandschutz voran. Woher kommt das persönliche Interesse an der Methode BIM?

Tim Obermeier: Mein Interesse für BIM und die Digitalisierung im Allgemeinen fußt auf der eigenen Jugend mit selbstzusammengeschraubten Computern und auch dem Aufwachsen mit den „neuen Medien“. Von der BIM-Methode habe ich 2010 im ersten Semester meines Bauingenieurstudiums in Gießen in der Bauinformatikvorlesung von Herrn Prof. Diaz gehört. Die Vereinfachung bzw. Verschlankung von komplexen Prozessen ist ein erstrebenswertes Ziel für mich, dabei kann BIM unterstützen.

Welche Vorteile bietet BIM bei der Brandschutzplanung?

Peter Dahnke: Die Digitalisierung der Bauplanung bietet dem Brandschutz vergleichbare Vorteile wie auch den anderen Fachdisziplinen. Aufgrund des Bauwerksmodells mit seinen geometrischen und alphanumerischen Informationen ist es uns möglich, diese Daten maschinenlesbar zu nutzen und entsprechende Tools zu entwickeln, die den Brandschützer in seiner Arbeit unterstützen können. Es bieten sich insgesamt große Potenziale für alle Aspekte des Brandschutzes, z.B. bei Anwendung der Ingenieurmethoden im Zuge der Modellbildung für die Brandsimulation.

Wie breit wird BIM bei der Brandschutzplanung in Deutschland zurzeit angewendet?

Tim Obermeier: Zunächst ist festzuhalten, dass für das Baugenehmigungsverfahren gegenwärtig die konventionellen Bauvorlagen erforderlich sind. Das führt zwangsläufig zu einer gewissen Parallelität in den Projekten. Die zeichnerischen Bauvorlagen werden jedoch immer häufiger aus Modellen abgeleitet.  Das Interesse der Auftraggeber hinsichtlich der Implementierung des Brandschutzes in seine Bauwerksmodelle ist in den letzten Jahren merklich gestiegen. Wir erleben ein erhöhtes Interesse an Eintragungen der baulichen Brandschutzanforderungen. Es sind z.B. die Türqualitäten zu nennen, die sich dann in modellbasierten Türlisten der Objektplaner wiederfinden. Diese Informationen können später im Betrieb durch das Facility-Management genutzt werden. Es werden derzeit also Teilaspekte eines Brandschutznachweises/Brandschutzkonzepts im Bauwerksmodell abgebildet. Die vollständige Implementierung aller brandschutztechnischen Belange ist selten nachgefragt und technisch anspruchsvoll.

Was sind die Ziele der buildingSMART-Fachgruppe Brandschutz, und wer ist dort vertreten?

Tim Obermeier: Wir dürfen die Arbeit der Fachgruppe seit Gründung begleiten und inzwischen gemeinsam mit Dr. Manuel Kitzlinger und Dominique Max als Fachgruppensprecher leiten. Das große Ziel ist u.a. die Schaffung eines Standards für die Brandschutzattribuierung von digitalen Bauwerksmodellen im Bereich OpenBIM. In der Gruppe sind neben Fachplanern, Behörden und Brandschutzdienststellen Softwarehersteller und auch Produkthersteller vertreten. Wir freuen uns über jeden neuen Input und laden gerne zur Mitarbeit ein. Insbesondere würden wir uns über neue Mitglieder aus dem Bereich der Objektplanung freuen.

Ist die Beschäftigung mit BIM auch für kleinere Büros und Einzelselbstständige Brandschützer*Innen sinnvoll?

Peter Dahnke: Als Mitarbeiter in einem größeren, mittelständischen Ingenieurbüro ist es mir nur bedingt möglich, diese Frage zu beantworten. Ich kann nur jedem empfehlen, sich zumindest mit den theoretischen Grundlagen und den Hintergründen der BIM-Methode zu beschäftigen, um sich ein Bild davon machen zu können, wie sich die Digitalisierung des Bauwesens und der Informationsbedarf der Kunden entwickeln.

Welche Investitionen in Software und Know-how brauchen Planende, um an BIM-Projekten sinnvoll mitarbeiten zu können? Welche ersten Schritte sind erforderlich?

Tim Obermeier: Der Fokus der Investitionen sollte zunächst auf die Befähigung und Ausbildung der Mitarbeiter gerichtet sein, da die Planungsmethode insbesondere die Verbesserung der Kommunikation und Kollaboration zum Ziel hat. Weiterhin ist es elementar, sich als Unternehmen oder Organisation Zeit für die Einführung der Methode und das Festhalten der eigenen BIM-Ziele zu nehmen. Erst danach sollte die Auswahl von Softwareprodukten als Werkzeugen zur Umsetzung erfolgen.

Welche Entwicklungen erwarten Sie für BIM im Brandschutz in absehbarer Zukunft?

Peter Dahnke: Durch die stetig wachsende Anwendung der Methode in realen Projekten wird neben der Akzeptanz insbesondere auch die Erfahrung der Beteiligten gesteigert, was zu einer optimierten Wertschöpfungskette im Bauwesen führt. Weiterhin sind die Bauwerksinformationen ein wesentlicher Beitragl zur Bewältigung der Herausforderungen der öffentlichen Sicherheit für die Stadt der Zukunft. Es werden sich signifikante Synergien für die Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben der Städte und Gemeinden ergeben.

Interviewpartner

zuletzt editiert am 27.09.2022