Am Bonner Rheinufer entstand das Lifestyle-Hotel "Kameha Grand". Durch das architektonische Konzept konnte ein sicher besonderes Gebäude mit einem besonderen Brandschutzkonzept entwickelt werden. Der Beitrag erläutert die Umsetzung des Projektes.
Auf dem Gelände eines ehemaligen Zementwerkes am Bonner Rheinufer sollten auf diversen Baufeldern überwiegend Bürogebäude entstehen. Als Kernstück wurde ein IT-Zentrum geplant, das zusätzlich zur Kongressnutzung eine angemessene Beherbergung der Teilnehmer bieten sollte. Im Laufe der Planungsentwicklung wurden die Bereiche der Foyers und Nebenräume sowie der Wellnessbereich zu immer wichtiger werdenden Bestandteilen der Nutzung. Das Ziel, ein technisch und gestalterisch multifunktional (Kongresssäle, Gastronomie und große Eventhalle) nutzbares Gebäude zu erstellen, wurde allerdings weiterhin verfolgt.

Gebäudenutzung mit entsprechenden Beurteilungsgrundlagen
Aufgrund der vielschichtigen Nutzung ließen sich verschiedene Gebäudeteile ausbilden, die den zum Zeitpunkt der Planung gültigen bauordnungsrechtlichen Regelungen entsprechen mussten.
Es ergaben sich folgende Nutzungen:
- UG
- geschlossene Großgarage mit natürlicher Lüftung – durch Schubventilator unterstützt – (GarVO)
- Küche, Technik- und Nebenräume, Garderoben, Lagerräume, Rechenzentrum (BauO NRW) - EG
- Säle von ca. 115 bis 540 m² (VStätt-VO)
- Eventhalle von ca. 1 293 m² (VStätt-VO)
- durch mobile Trennwand kombinierbar mit Saal von 540 m²
- Hotellobby und Lounges (VStättVO)
- Bankettsaal, Restaurant und Bar (VStättVO)
- Hotelbüros (BauO NRW), Küche - OG
- erstes bis fünftes OG Hotelzimmer und Suiten (BeVO)
- drittes OG/Ost Wellnessbereich mit Sauna und Außenpool (BauO NRW)
- fünftes OG VIP-Bereich (VStättVO und BauO NRW)
Bei der gewünschten variablen Nutzung im EG sollten viele Nutzungseinheiten durch bewegliche Trennwände miteinander kombiniert werden. Dies stellte hohe Anforderungen an ein Brandschutzkonzept, das die Entfluchtung der Räume sowohl einzeln als auch zusammen nachweisen sollte.
Brandschutzkonzept
Neben den allgemein für ein derartiges Projekt obligaten sicherheitstechnischen Einrichtungen, wie Brandmeldeanlage mit Alarmierung, automatische Löschanlagen, Sicherheitsbeleuchtung und Ersatzstromversorgung, sowie den erforderlichen organisatorischen Brandschutzvorgaben sind die folgenden Punkte als markant herauszustellen:
Erschließung für die Feuerwehr
Die Feuerwehrflächen wurden in Abstimmung mit der Feuerwehr Bonn festgelegt (s. Abbildung 3). Die große Gebäudetiefe machte die Errichtung von Außenhydranten erforderlich, die ohne Druckerhöhung über eine Trockentrennstation mit Schalter an den Hydranten aus dem öffentlichen Netz versorgt werden.

Rauch- und Brandabschnittsbildung
Das Objekt ist in den Obergeschossen etwa mittig in einen nördlichen und südlichen, in dem U-förmigen Nordteil zusätzlich in einen östlichen und westlichen Brandabschnitt durch Brandwände mit Feuerschutzabschlüssen unterteilt. Die Geschossdecken bilden eine weitere brandschutztechnische Abschnittsbildung. Die Installationen für Kabel, Lüftungs- und Rohrleitungen werden in Schächten geführt, die an den Ein- und Austrittsstellen mit "klassischen bauaufsichtlich zugelassenen Kabel- und Rohrschottungen" sowie für die Lüftungsleitungen mit Brandschutzklappen abgeschottet sind.

Im UG wurden Brandabschnitte durch die Brandwandausbildung zur Garage und zwischen den Technikräumen und der Küche ausgebildet. Im EG und der Eventhalle ergaben sich aufgrund der gewünschten multifunktionalen Nutzung erhebliche Abweichungen für die Ausbildung von Brandabschnitten.
So entstand im Wesentlichen – aufgrund der risikogerechten Sprinklerung für das gesamte Gebäude – eine Rauchabschnittstrennung in Nord-Süd-Richtung mit Rauchschutzvorhängen. Gegen den vertikalen Brandüberschlag wurde im 1. OG an der Innenfassade zur Eventhalle eine Verglasung in F 30 nach DIN 4102 eingebaut und die Geschosse darüber erhielten nicht zu öffnende rauchdichte Verglasungen. Mit einem numerischen Nachweis konnte gezeigt werden, dass aufgrund der zu erwartenden Temperaturen keine Brandüberschläge zu erwarten sind (s. Abbildung 5).


Entfluchtung
Während die Entfluchtung im UG und ab dem ersten OG "klassisch unter Beachtung der GarVO, der BauO NRW und der BeVO" konzipiert wurde, ergab sich für das EG ein aufwändiger Nachweis nach VStätt-VO. Dafür wurden in enger Abstimmung mit der Feuerwehr Bonn für die maximal anzunehmenden Personenzahlen individuelle Entfluchtungsmöglichkeiten direkt ins Freie, durch das Atrium/die Lobby und für eine mögliche Nutzung der Eventhalle auch durch den angrenzenden Vortragssaal festgelegt. Als Besonderheit sind die Terrassen mit der Kraftfahrdrehleiter erreichbar. Diese Terrassen sind zwar keine Aufenthaltsräume im bauordnungsrechtlichen Sinne, waren aber im Rahmen eines ganzheitlichen Brandschutzkonzeptes für den Sonderbau auch zu berücksichtigen.


Entrauchung
Als Rückgrat des Brandschutzkonzeptes ist die Brandraumsimulationsrechnung für die Nutzung der Eventhalle zu sehen. Sie wurde hier mit dem Programm FDS durchgeführt. Einerseits sollte damit der nach VStättVO erforderliche Nachweis einer rauchfreien Schicht geführt werden. Andererseits konnte gezeigt werden, dass das Stahltragwerk des Daches in Abweichung zu den Anforderungen der VStättVO ohne Feuerwiderstand in Verbindung mit der risikogerechten Sprinklerung seine Tragfähigkeit erhalten würde. Entgegen ersten Vermutungen wegen der großen Hallenhöhe und der möglichen Lage der Ventilationsöffnungen zeigte sich, dass eine natürliche Entrauchung der Eventhalle gute Ergebnisse erzielt. Aufgrund behördlicher Forderung wurde in einem Rauchversuch die Wirkung des geplanten Rauchabzugssystems nachgewiesen (s. Abbildung 7).
Innen liegende Räume im Bereich der Geschosse werden im Brandfall in Verbindung mit der Sprinklerung über die vorhandenen Lüftungsanlagen restentraucht, da aufgrund der geschlossenen Verglasung zur Halle keine öffenbaren Fenster vorhanden sind. Für die Garage ist im Brandfall die Entrauchung über die natürliche Lüftung möglich. Die Säle haben nach VStättVO Rauchabzugsöffnungen in den Fassaden erhalten.
Besondere Schwierigkeiten
Bei der Entwicklung des Brandschutzkonzeptes für dieses komplexe Gebäude ergaben sich folgende Schwierigkeiten:
- häufige Anpassungen der Nutzungsvorgaben im Projektverlauf
- Abstimmung der komplexen Anlagentechnik mit den brandschutztechnischen Vorgaben
- Verknüpfung aller sicherheitstechnisch relevanten Einrichtungen und Vorgaben ("Brandfallmatrix")
Fazit
Für die Erarbeitung des endgültigen Brandschutzkonzeptes und während des gesamten Projektes stellten sich folgende Punkte als besonders wichtig und zielführend heraus:
- Einbindung des Brandschutzingenieurs ab den ersten Entwürfen des Architekten
- enge Zusammenarbeit mit der Genehmigungsbehörde (Bauantragskonferenz in wichtigen Phasen als Jour Fixe)
- Verwendung ingenieurmäßiger Methoden als Grundlage für ein modernes Brandschutzkonzept mit den erforderlichen Nachweisen für Abweichungen von den Anforderungen des Baurechts.
Autor
Dipl.-Ing. Christian Uhlig: Staatlich anerkannter Sachverständiger für die Prüfung des Brandschutzes (NRW)
Bautafel: Kameha Grand Bonn
- Bauherr: BonnVisio Real Estate GmbH & Co. KG
- Projektsteuerung: BPP Büro für Planung und Projektsteuerung, Dipl.-Ing. Rolf Vollmer, Architekt BDA; in Kooperation mit BDK Ing. GmbH
- Architekt: Architekturbüro Karl-Heinz Schommer
- Statik Massivbau: Ingenieurbüro Vreden, Henneker + Partner, Prüfingenieur für Baustatik
- Statik Glasdach Halle: Werner Sobek Ingenieure
- Haustechnik LP 1–4: Brandi IGH Ingenieure GmbH
- Haustechnik LP 5–9: Andreas Favier GmbH, Planungsgesellschaft für Technische Gebäudeausrüstung
- Fassadenplanung: Firma KonTec H. D. Kreutz + D. Schönen
- Bauphysik: Dorff, Schwinn & Partner, Beratende Ingenieure für Bauphysik
- Brandschutz: CU Christian Uhlig, Staatlich anerkannter Sachverständiger für die Prüfung des Brandschutzes
Literatur
[1] Bauordnung NRW (BauO NRW), 2000
[2] Versammlungsstättenverordnung (VStättVO) 2002
[3] Beherbergungsstättenverordnung (BeVO) 2002
[4] Garagenverordnung (GarVO) 1990
[5] DIN 4102-4:1994-03 "Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen; Zusammenstellung und Anwendung klassifizierter Baustoffe, Bauteile und Sonderbauteile"
Der Artikel ist in Ausgabe 4.2010 des FeuerTrutz Magazins (Juli 2010) erschienen. Hier erhalten Sie weitere Informationen zum FeuerTrutz Magazin