Bei den EIPOS Sachverständigentagen Brandschutz 2017 trafen sich am 21. und 22. November rund 800 Brandschützer im Congress Center Dresden. Unter dem Motto "Der Teufel steckt im Detail" wurden von den Referenten in den Fachvorträgen viele "heiße Eisen" der Branche angefasst.
November 2017 / Redaktion FeuerTRUTZ. Die Schirmherrschaft für die Veranstaltung hatte wiederholt der sächsische Innenminister Markus Ulbig übernommen. In seiner Vertretung wünschte Ministerialdirigent Ulrich Menke in seinem Grußwort "Frische Impulse für das Handeln".
Thematisch boten beide Tage ein breites Spektrum, u.a. referierten Manfred Lippe und Frank Möller über "Funktionserhalt von elektrischen Anlagen im Brandfall und Neues in der MLAR 2016". Sie wiesen z.B. darauf hin, dass der Funktionserhalt von Leitungen für den Gebäudefunk in der Praxis immer wieder Probleme macht und das Planer auf Rückwirkungsfreiheit und mögliche unerwünschte Wechselwirkungen achten müssen. Kenntnisreich und mit vielen Beispielen von realen Baustellen brachten sie zudem Aspekte wie Trümmerschutz und klimatische Bedingungen in Verteilern zur Sprache.

Dr. Dustin Häßler und Dr. Sascha Hothan von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) referierten über Reaktive Brandschutzsysteme (RBS). U.a. gingen sie auf die Randbedingungen der bauaufsichtlichen Zulassungen ein. Als Ergebnisse von Brandversuchen in einem Forschungsprojekt zeigte sich u.a., dass ein RBS-Schutz auch für filigrane Zugglieder mit Vollprofil möglich ist und dass Zugglieder immer mit Zugbeanspruchung geprüft werden sollten. Schwierigkeiten gebe es, so Dr. Häßler, bei der Entwicklung von Nachweisverfahren für Lebensdauern von über 10 Jahren und für die Prüfung im Bestand. Allerdings seien RBS mit "Selbstdiagnose-Eigenschaften" in der Entwicklung. Die Problematik der begrenzten Nachweisbarkeit der RBS-Lebensdauer wurde von den Teilnehmern z.T. kontrovers diskutiert.
Weitere Vorträge widmeten sich u.a. den Themen "Sicherung des 2. Rettungsweges – notwendig oder verzichtbar?", Neuordnung des Bauproduktenrechts und DIN 18009 als Leitplanke für Ingenieurmethoden.

Leidenschaftlich diskutiert wurde im Anschluss an den Vortrag "Ermessensspielräume bei der Bauüberwachung Brandschutz", in dem Referent und Autor des Praxishandbuches "Fachbauleitung Brandschutz" Michael Juch dafür plädierte, Abweichungen und praxisgerechte Lösungen nicht nur streng nach den Buchstaben von Verordnungen und Normen, sondern mit Ingenieursachverstand zu beurteilen. An zahlreichen Praxisfällen zeigte er exemplarisch, wie das Ermessen hierbei ausgeübt werden kann. Vielen Zuhörern gefiel dieses selbstbewusste Rollenverständnis des prüfenden Ingenieurs, anderen waren manche positive Einschätzungen der geschilderten Beispiele aber auch zu großzügig bzw. gewagt.
Eine Fachausstellung, zwei kleinere Brandversuche im Außenbereich sowie die Abendveranstaltung in einem historischen Gewölbekeller rundeten die 18. EIPOS Sachverständigentagen Brandschutz ab und boten viel Raum für fachlichen und kollegialen Austausch.
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