Der Beitrag geht auf den Stand der Ingenieurmethoden des Brandschutzes innerhalb Europas ein. Zudem wird die SFPE (Society of Fire Protection Engineers) vorgestellt, die als internationale Organisation die Wissenschaft und praktische Anwendung der Ingenieurmethoden des Brandschutzes und aller dazugehörigen Bereiche zusammenbringt.
Juli 2014 / Von Karl Wallasch und Michael Strömgren. Brandschutz in Europa ist nicht in europäischen deskriptiven Vorgaben geregelt. Auch nach Einführung der Eurocodes in vielen Ländern Europas gibt es dort unterschiedliches Baurecht und verschiedenste Richtlinien und Regelwerke. Ebenso wie rein deskriptive Vorschriften sind schutzzielorientierte Vorgaben oder auch Ingenieurmethoden des Brandschutzes (so genanntes performanced-based design) zur brandschutztechnischen Bemessung von Gebäuden nicht allgemein geregelt.
Die Ingenieurmethoden des Brandschutzes beruhen auf allgemeinen Regeln (unabhängig von Landesgrenzen) und Gesetzen der Naturwissenschaften hinsichtlich des Phänomens Feuer, der Ausbreitung und Entwicklung von Rauch- und Brandgasen, dem Fluchtverhalten von Personen usw. Man könnte demnach annehmen, dass solche Grundlagen in Europa einfach festzulegen seien, jedoch gibt es hinsichtlich der Verbreitung von Anwendung und auch Verankerung in den verschiedenen europäischen Ländern starke U nterschiede.
In diesem Beitrag werden der Stand und die Anwendung der Ingenieurmethoden des Brandschutzes innerhalb der europäischen Länder verglichen. Es ist davon auszugehen, dass Ingenieurmethoden in Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen werden und ihre Verbreitung in Europa zunehmen wird. Des Weiteren wird aufgezeigt, wie die SFPE (Society of Fire Protection Engineers) [1] derzeit ein europäisches Netzwerk aufbauen will, um Ingenieurmethoden des Brandschutzes in Europa zu fördern.
Ingenieurmethoden des Brandschutzes

In der internationalen Richtlinie ISO/TR 13387-1 [2] ist folgende Definition für Ingenieurmethoden des Brandschutzes zu finden: „The application of engineering principles, rules and expert judgement based on a scientific appreciation of the fire phenomena, of the effects of fire, and of the reaction and behaviour of people...“
Freie Übersetzung der Autoren: „Anwendung ingenieurmäßiger Prinzipien, Regeln und Beurteilung durch Sachverständige auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse des Phänomens Feuer, der Ursache und Auswirkungen von Bränden sowie der Reaktion und dem Verhalten von Personen...“
Ingenieurmethoden des Brandschutzes werden angewendet, um nachzuweisen, dass die allgemeinen Schutzzielanforderungen hinsichtlich Personen-, Natur- und Sachschutz erfüllt werden. Sie sind aber auch hilfreich, um eine architektonisch freiere und flexiblere Gestaltung für individuelle Gebäude zu ermöglichen, da die brandschutztechnische Bemessung das Zusammenspiel der Gebäudegeometrie, der speziellen Nutzung sowie der baulichen, anlagentechnischen, betrieblichen und organisatorischen Brandschutzmaßnahmen berücksichtigt. Die Anwendung der Ingenieurmethoden hat große Vorteile für den Bauherrn, den Architekten und das Planungsteam, z. B.:
- ein höheres Maß an architektonischer Planungsfreiheit
- Vermeidung restriktiver Einschränkungen in der Gebäudenutzung
- effizientes und kostengünstiges Bauen
- Integration und Berücksichtigung des nachhaltigen Bauens (d. h. sozialer, ökologischer und ökonomischer Belange)
- Aussagen über Versagenswahrscheinlichkeiten und damit (detaillierteres) Wissen über Nutzungsgrenzen
- Berücksichtigung von Innovationen, z. B. im Hinblick auf Architektur, den Einsatz neuer Baustoffe und Bautechnologien usw., bei Einhaltung des gleichen Sicherheitsniveaus im Vergleich zu deskriptiven Vorgaben
- detaillierte Auseinandersetzung und Verständnis aufseiten der Prüfenden.
Die Ingenieurmethoden des Brandschutzes sind wichtiger Bestandteil der Planung vieler Sonderbauten; jedoch ist, wie erwähnt, ihre Anwendung nicht international geregelt. Sie können entweder eine ganzheitliche brandschutztechnische Bemessung erlauben oder auch nur bei Teilaspekten als gleichwertige Nachweismethode in ein Brandschutzkonzept einbezogen werden.
Wie Ingenieurmethoden des Brandschutzes verwendet werden können, ist in verschiedenen Vorschriften festgelegt, z.B. in ISO/TR 13387 [2], vfdb Leitfaden [3], BS 7974 [4], CIBSE Guide E [5], BS DD 240 [6] usw. [...]
Der vollständige Artikel ist in Ausgabe 4.2014 des FeuerTRUTZ Magazins (Juli 2014) erschienen.
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SFPE Aktivitäten in Europa
SFPE (Society of Fire Protection Engineers [1]) ist eine internationale Organisation, die die Wissenschaft und praktische Anwendung der Ingenieurmethoden des Brandschutzes und alle dazugehörigen Bereiche im Brandschutz zusammenbringt, um einen hohen und dem Berufsethos entsprechenden Standard an ihre Mitglieder zu setzen und eine Aus- und Weiterbildung im Brandschutz zu fördern. Die Organisation hat bereits in Europa zahlreiche Mitglieder und vor Kurzem wurde die so genannte European Chapters Coordination Group (ECCG) in Europa gegründet. Im Januar 2014 wurde als Präsident der ECCG Jimmy Jönsson (JVVA, Spain) gewählt.
Ziel der SFPE in Europa ist es, verschiedene Konferenzen, Seminare, Workshops, Webinare und andere Veranstaltungen zu organisieren und durchzuführen, um Ingenieurmethoden des Brandschutzes in Europa weiterhin bekannt zu machen und zu fördern. Derzeit werden besonders folgende Themen behandelt: Zusammentragung des Standes der Ingenieurmethoden in den jeweiligen Ländern, Ausbildung und Qualifizierung von Brandschutzingenieuren mit dem Schwerpunkt Ingenieurmethoden des Brandschutzes. Bisher haben sich sechs so genannte Chapter in verschiedenen Ländern gebildet, darunter in den Benelux-Staaten (Belgien, Niederlande und Luxemburg), Frankreich, Italien, Polen, Spanien und Schweden. Weitere Chapter sind geplant in Deutschland, in der Schweiz und im United Kingdom sowie in anderen nordeuropäischen Ländern. Derzeit werden noch Mitglieder und interessierte Personen gesucht, die sich im Chapter Deutschland engagieren wollen. Interessierte können sich bei den Autoren melden. [...]
Literatur
- [1] Society of Fire Protection Engineers (SFPE) www.sfpe.org, Stand: 22. März 2014
- [2] ISO/TR 13387 „Fire safety engineering” Part 1–8: 1999, BSI
- [3] Leitfaden Ingenieurmethoden des Brandschutzes, Hrsg. Prof Dr D. Hosser: vfdb, TB 04-01, 3. Auflage, November 2013
- [4] BS 7974-2:2002 „Application of fire safety engineering principles to the design of buildings”, BSI, 2002
- [5] CIBSE Guide E: „Fire Engineering”, Chartered Institution of Building Services Engineers, London, 3rd Edition, 2010
- [6] BS DD 240: „Fire safety engineering in Buildings”, Part 1: 1997 „Guide to application of fire safety engineering principles“, BSI, 1997
- [7] K. Wallasch/M .Strömgren: „Fire Safety Engineering Methods in Europe“, FeuerTRUTZ Brandschutzmesse, Nürnberg, 19.bis 20. Februar 2014
- [8] G. Spennes: Ingenieurmethoden des Brandschutzes – aktuelle Regeln, FeuerTRUTZ Brandschutzmesse, Nürnberg, 19. bis 20. Februar 2014
- [9] G. Spennes, G. Jäger: „Brandschutzkonzepte im Spannungsfeld zwischen DIN 18230 und den Eurocodes“ in: Hosser, D. (Hrsg.): Braunschweiger Brandschutz-Tage 2013, Tagungsband, Institut für Baustoffe, Massivbau und Brandschutz (iBMB), Braunschweig, 2013
Autoren:
Karl Wallasch, Hoare Lea, London, United Kingdom
Michael Strömgren, SP Fire Technology, Lund, Sweden
Der vollständige Artikel ist in Ausgabe 4.2014 des FeuerTRUTZ Magazins (Juli 2014) erschienen.
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