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Univ.-Prof. Dr.-Ing. Dietmar Hosser

Branche | Markt 2014-01-16T00:00:00Z Univ.-Prof. Dr.-Ing. Dietmar Hosser feiert 70. Geburtstag

Am 17.10.2013 feierte Univ.-Prof. Dr.-Ing. Dietmar Hosser seinen 70. Geburtstag. Bevor er im Alter von 69 Jahren zum 31.01.2013 in den wohlverdienten Ruhestand ging, leitete er mehr als 26 Jahre das Fachgebiet „Brandschutz und Grundlagen des Massivbaus“ am Institut für Baustoffe, Massivbau und Brandschutz der Technischen Universität Braunschweig.

Oktober 2013. Seit 01. Februar 2013 wird das Fachgebiet nun von seinem Nachfolger Univ.-Prof. Dr.-Ing. Jochen Zehfuß geführt. Jochen Zehfuß und Björn Kampmeier gratulieren zum Geburtstag und geben einen Einblick in den beruflichen Werdegang von Prof. Hosser.

Nach dem Studium des Bauingenieurwesens an der Technischen Universität Darmstadt begann Prof. Hosser seine berufliche Tätigkeit im Ingenieurbüro BGS in Frankfurt, in dem er vier Jahre als Projektingenieur und Bauleiter tätig war. 1974 führte sein Weg als wissenschaftlicher Mitarbeiter wieder zurück an die Technische Universität Darmstadt, wo er schließlich am Institut für Massivbau mit seiner Dissertation „Tragfähigkeit und Zuverlässigkeit von Stahlbetondruckgliedern: vereinfachte Nachweise bei beliebigen Einwirkungen und Randbedingungen“ promovierte. Zu jenem Zeitpunkt war er bereits als leitender Ingenieur im Ingenieurbüro König und Heunisch in Frankfurt tätig. Während der dort folgenden neunjährigen Tätigkeit waren probabilistische Untersuchungen hinsichtlich der Sicherheit von Kernkraftwerken bei Erdbeben oder Brand seine zentralen Aufgaben. 1986 erhielt Prof. Hosser den Ruf an die Technische Universität Braunschweig für das Fachgebiet Brandschutz und Grundlagen des Massivbaus am Institut für Baustoffe, Massivbau und Brandschutz (iBMB)
Während seiner langjährigen Tätigkeit am iBMB hat Prof. Hosser sich in der Lehre und Forschung sowie Gremienarbeit außerordentlich engagiert und bleibende Impulse gesetzt, die den Brandschutz langfristig verändert haben. Zu Beginn seiner Tätigkeit knüpfte Prof. Hosser an die Forschungen von Prof. Kordina an. Am iBMB war der Sonderforschungsbereich 148, in dem Bauteile hinsichtlich ihres Brandverhaltens untersucht wurden, zentraler Bestandteil der Forschungsaktivitäten der Fachgebietes. In diesem Forschungsvorhaben wurde ein Großteil der brandschutztechnischen Bemessungregeln der DIN 4102-4 entwickelt und die wesentlichen Grundlagen für die Rechenverfahren der Brandschutzteile der Eurocodes erarbeitet und unter dem wesentlichen Einfluss von Prof. Hosser in die Normen überführt.

Die bis dahin starke Ausrichtung der Brandschutzforschung auf den baulichen Brandschutz war Prof. Hosser nicht ausreichend. Das Betätigungsfeld des Fachgebietes wurde daraufhin wesentlich breiter aufgestellt und der Brandschutz von der Brandentstehung, über die Brandausbreitung, das Trag- und Verformungsverhalten von Bauteilen und Tragwerken im Brand und den Einfluss abwehrender und anlagentechnischer Maßnahmen ganzheitlich betrachtet. Zu seinen Verdiensten zählen unter anderem die Erforschung von Naturbränden, die damit verbundene Weiterentwicklung von Ingenieurmethoden zur Beurteilung der Brandsicherheit, Methoden zur Simulation des Brandverhaltens von Baustoffen und Bauteilen, ebenso wie die Entwicklung probabilistischer Methoden zur Beurteilung des Brandrisikos, sowie die praxisgerechte Optimierung von Brandschutzkonzepten. Den bisherigen Abschluss dieser ganzheitlichen Betrachtungsweise bildet das unter seiner Leitung und Inspiration am iBMB entwickelte Sicherheitskonzept zur Bemessung von Bauteilen unter Berücksichtigung eines Naturbrandes, welches Bestandteil des Nationalen Anhangs von Eurocode 1-1-2 ist.
Großen Wert legte Prof. Hosser bei seinen Forschungsarbeiten stets darauf, dass die Ergebnisse einen direkten Nutzen für die Praxis darstellten, schnell zugänglich waren und idealerweise zeitnah in den baulichen Vorschriften Berücksichtigung fanden. Um diese Ziele zu erreichen rief Prof. Hosser 1987 die Braunschweiger Brandschutztage ins Leben. Die jährlich stattfindende Fortbildungsveranstaltung hat sich mit bis zu 1200 Teilnehmern pro Jahr nicht nur zur größten Fachveranstaltung der TU Braunschweig entwickelt, sondern ist ebenfalls die größte Fachtagung für den baulichen Brandschutz im deutschsprachigen Raum Das Teilnehmerfeld ist bunt gemischt und setzt sich aus Mitarbeitern von Bauaufsichtsbehörden, Feuerwehren, Versicherungen, Ingenieurbüros, Industrie, Prüfanstalten und Forschungsinstituten zusammen. Grund für diese Beliebtheit ist neben dem abwechslungsreichen Vortragsprogramm, bei dem Prof. Hosser gerne die aktuell kontrovers diskutierten Themen aufgreift, sicherlich auch die inzwischen legendäre Abendveranstaltung, auf der die fachliche Diskussion vertieft und neue Kontakt geknüpft oder bestehende Kontakte gepflegt werden können. Neben der Vermittlung neuester Forschungsergebnisse und die Information über aktuelle Entwicklungen in der Normungsarbeit werden ebenfalls außergewöhnliche Brandschutzkonzepte aus der Praxis vorgestellt und diskutiert. Erst durch die Braunschweiger Brandschutz-Tage konnten Brandschutzkonzepte, in denen die Schutzziele des Brandschutzes durch Ingenieurmethoden nachgewiesen werden, ihre heutige Akzeptanz erlangen. Auch im Bereich der Normung und der bauordnungsrechtlichen Vorschriften leisten die von Prof. Hosser ins Leben gerufenen Braunschweiger Brandschutz-Tage einen wichtigen Beitrag: die geplanten Änderungen können einer breiten Fachöffentlichkeit vorgestellt werden, um ein repräsentatives Feedback zu bekommen.

Um den Brandschutz standesgemäß auch den Studenten in der Lehre vermitteln zu können wurde 1987 auf sein Drängen die Vertiefungsrichtung Brand- und Katastrophenschutz im Studiengang Bauingenieurwesen etabliert. Die Absolventen sind in der Praxis sehr gefragt und haben meist keine Probleme eine angemessene Anstellung in der Praxis zu finden. Viele der Absolventen haben heute leitende Tätigkeiten in Ingenieurbüros und Behörden inne. Neben der Ausbildung von Studenten hat Prof. Hosser ebenfalls eine Vielzahl von Wissenschaftlichen Mitarbeitern bei ihrer Promotion als Doktorvater begleitet. Die hohen Qualitätsansprüche, die Prof. Hosser dabei an jede Arbeit stellt, die über seinen Schreibtisch geht, waren für die Assistenten, die heute im Brandschutz in ganz Deutschland tätig sind, zunächst gewöhnungsbedürftig, aber zugleich auch prägend.

Außerordentliches Engagement zeigte Prof. Hosser ebenfalls im Rahmen der Selbstverwaltung der TU Braunschweig und des iBMB. Ob als Mitglied des Senats oder als Vizepräsident, ob als Mitglied verschiedener Kommissionen des Fachbereichs oder als Dekan, Prof. Hosser gestaltete die Zukunft der TU Braunschweig und des Fachbereichs Bauingenieurwesen entscheidend mit. Darüber hinaus war er häufig als Geschäftsführender Leiter des iBMB tätig.

Ferner war und ist Prof. Hosser Mitglied oder Obmann in zahlreichen Normenausschüssen des DIN, in verschiedensten Gremienund in der Vereinigung zur Förderung des deutschen Brandschutzes (vfdb). Prof. Hosser war viele Jahre Mitglied des Präsidiums der vfdb und leitend im Technisch-Wissenschaftlichen Beirat (TWB) tätig. In seiner Eigenschaft als Leiter des Referates 4 des TWB erwarb er sich besondere Verdienste in der Initiierung, Koordination und Erarbeitung des vfdb-Leitfadens „Ingenieurmethoden des Brandschutzes“. Der Leitfaden bietet nicht nur für Deutschland den in der Praxis tätigen Ingenieuren eine wertvolle Unterstützung in ihrer täglichen Arbeit. Eine überarbeitete dritte Auflage soll in Kürze unter Leitung von Prof. Hosser erscheinen.
Prof. Hosser verstand es stets Forschung und Praxis miteinander zu verbinden. So war er neben seinem Wirken an der Hochschule auch als Prüfingenieur und als Mitbegründer eines der ersten Brandschutz-Ingenieurbüros tätig, welches mittlerweile im Brandschutz zu den führenden Ingenieurbüros gehört und in Deutschland und international den Brandschutz bei großen und spektakulären Projekten realisiert hat.
Es ist bislang nicht vorstellbar, dass Prof. Hosser in naher Zukunft dem Brandschutz den Rücken kehren wird. Dies zeigt auch, dass Prof. Hosser weiterhin in seinem neuen Büro im iBMB beinahe täglich anzutreffen ist. Wir wünschen Prof. Hosser für seinen wohlverdienten Ruhestand vor allen Dingen Gesundheit, und dass er die richtige Mischung findet zwischen Entspannung im Kreise der Familie und weiteren Aktivitäten im Bereich der Brandschutzforschung und -praxis.
 
von Jochen Zehfuß und Björn Kampmeier

zuletzt editiert am 27. April 2021
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