Das menschliche Verhalten in Notfallsituationen, insbesondere bei Bränden, wird durch zahlreiche sozialpsychologische Faktoren beeinflusst. Der Artikel von Denes Mücke besteht aus zwei Teilen und ist kostenlos als Download verfügbar. Er zeigt, wie realitätsnahe Brandschutzplanung menschliches Verhalten, Unsicherheiten und soziale Dynamiken systematisch einbeziehen sollte.
Der Faktor Mensch bleibt eine der größten Unsicherheiten in der Brandschutzplanung. Empirische Untersuchungen und Augenzeugenberichte zeigen, dass klassische Annahmen wie „Panik“ selten zutreffen und dass Nutzer:innen in Notfallsituationen überwiegend rational und prosozial reagieren. Gleichzeitig wirken kognitive Verzerrungen, sowohl bei den Betroffenen als auch bei den Fachplanenden, und beeinflussen Entscheidungen, Reaktionszeiten und die Interpretation von Simulationsergebnissen.
Leistungsorientierte Konzepte unter Anwendung von Ingenieurmethoden ermöglichen zwar eine quantitative Abschätzung der Selbstrettungsfähigkeit, sie bleiben jedoch auf Annahmen angewiesen, die menschliches Verhalten nur begrenzt abbilden. Ansätze des Resilience Engineering bieten dafür eine zukunftsweisende Perspektive: Statt allein auf normative Vorgaben zu vertrauen, wird der Mensch als aktiver Teil des Systems betrachtet, dessen Verhalten die Anpassungsfähigkeit und Robustheit des Brandschutzkonzepts maßgeblich mitbestimmt. Dies betrifft u. a. die Planung von Rettungswegen sowie technische und organisatorische Maßnahmen, die sowohl unerwartete Ereignisse als auch menschliche Verzögerungen berücksichtigen können.
Für die Zukunft des bauordnungsrechtlichen Brandschutzes bedeutet dies, dass die Planung realitätsnah gestaltet werden muss. Der Fokus muss sich von der reinen Erfüllung präskriptiver Vorgaben hin zu einem adaptiven, soziotechnischen Ansatz verschieben, der menschliches Verhalten, Unsicherheiten und soziale Dynamiken systematisch integriert. Nur so lassen sich resiliente, nachhaltige und langfristig sichere Gebäude planen für Menschen, die darin leben und arbeiten.
Kostenloser Download: Artikel Teil 1 & 2 „Der Faktor Mensch in der Brandschutzplanung“
Autor Denes Mücke hat zu diesem Thema einen zweiteiligen Artikel verfasst, der im FeuerTrutz Magazin erschienen ist.
In Teil 1 gibt er einen Einblick in die Welt der sozialwissenschaftlichen Zusammenhänge im Brandfall und im Planungsprozess, und stellt mögliche Ansätze zur Implementierung alternativer Ansätze für die Zukunft der Planungspraxis vor. Teil 2 geht darauf ein, inwieweit menschliches Verhalten im vorbeugenden Brandschutz überhaupt planbar sein kann.
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