Brennende Späne in einem Metallkorb
Quelle: Barni1 auf Pixabay

Planung | Ausführung

27. April 2022 | Teilen auf:

Brandschutz am Dach

Schutzziele und Anforderungen

Dächer müssen den unterschiedlichsten Anforderungen gerecht werden. Mit seiner Zugehörigkeit zu verschiedenen Gewerken, die teilweise von mehreren Berufsgruppen bearbeitet werden, muss das Dach diverse Schutzziele erfüllen und nicht zuletzt den Anforderungen des Brandschutzes genügen.

Gerade im Bereich der Planung eines Dachs ist es wichtig, im Brandschutzkonzept die korrekten Begriffe des Bauordnungsrechts zu verwenden.

Die LBOs verwenden die entsprechenden Begriffe wie folgt:

"Dach" bezeichnet den Gesamtaufbau, also ein System einschließlich der tragenden Konstruktion, dessen oberste, d.h. wasserführende Schicht die Dachhaut darstellt.
Oberhalb des Dachs können sich – direkt oder aufgeständert – zusätzlich Dachaufbauten befinden.
Bei Gebäuden mit Dachschrägen, unterhalb des Dachs und vom Dach begrenzt befindet sich der Dachraum (bei einem Flachdach wird der Raum unterhalb des Dachs nicht als Dachraum bezeichnet).
Dabei kann es sich um einen ausgebauten oder einen nicht ausgebauten Raum handeln. Die „Bedachung“ gilt als Gesamtsystem des Dachaufbaus.

Schutzziel Dächer

Vorrangiges Schutzziel des Dachs ist der Schutz eines Gebäudes gegen Witterungseinflüsse. Außerdem muss es einer Reihe bauphysikalischer Anforderungen entsprechen.

Im Brandfall tritt für Dächer eine weitere Beanspruchung auf: Nicht selten trägt es bei Bränden zu einer erheblichen Brandausbreitung bzw. Schadenvergrößerung bei. Zudem beginnen Brandschäden oft auf dem Dach, z.B. bei Dachabdichtungsarbeiten mit offener Flamme. Für Dächer gibt es unterschiedliche Anforderungsansätze. Bei einem Dach kann eine Brandbeanspruchung von unten kommen; genauso ist es möglich, dass ein Dach von außen beeinträchtigt wird.

Harte Bedachung

Der Fokus bei Dächern wird zunächst auf eine Brandeinwirkung von außen und die damit zusammenhängende Widerstandsfähigkeit gegen Flugfeuer und strahlende Wärme gelegt.

Abb. 1: Prüfung nach DIN 4102-7: Späne in einem Metallkorb werden auf dem Prüfobjekt entzündet. (Quelle: Paul Bader GmbH & Co. KG)

Flugfeuer kann z.B. durch ein Feuer in der Nachbarschaft oder durch glühende Teile von Kaminrauch auf ein Dach gelangen, strahlende Wärme z.B. durch Feuerwerkskörper. Um daraus resultierende Schäden zu vermeiden, enthält § 32 MBO eine entsprechende Regelung. § 32 Abs. 1 MBO „Bedachungen müssen gegen eine Brandbeanspruchung von außen durch Flugfeuer und strahlende Wärme ausreichend lang widerstandsfähig sein (harte Bedachung).“ Bei den genannten Anforderungen handelt es sich um feststehende Klassifizierungen des jeweils verwendeten Bauprodukts.

Dächer, die nicht als harte Bedachung klassifiziert sind, dürfen nur in bestimmten Fällen und unter definierten Randbedingungen zur Anwendung kommen. Bedachungen, die den genannten Anforderungen nicht entsprechen (weiche Bedachungen), sind gemäß MBO zulässig in GK 1 bis 3, wenn das zu betrachtende Gebäude zu anderen Gebäuden Mindestabstände (tatsächliche Abstände, keine Abstandsflächen) einhält (§ 32 Abs. 2 MBO).

Außerdem gelten die Anforderungen harter Bedachungen gemäß § 32 Abs. 3 MBO nicht für:

  • lichtdurchlässige Bedachungen aus nichtbrennbaren Baustoffen,
  • brennbare Fugendichtungen und brennbare Dämmstoffe in nichtbrennbaren Profilen,
  • Dachflächenfenster, Oberlichter und Lichtkuppeln von Wohngebäuden,
  • Eingangsüberdachungen und Vordächer aus nichtbrennbaren Baustoffen,
  • Eingangsüberdachungen aus brennbaren Baustoffen, wenn die Eingänge nur zu Wohnungen führen.

Weitere Erleichterungen für lichtdurchlässige Teilflächen aus brennbaren Baustoffen in Bedachungen werden in § 32 Abs. 4 MBO aufgeführt. Für eine mögliche, konkrete Auslegung der genannten Erleichterungen, die in MVV TB Abschnitt A 2.1.9 enthalten sind, siehe Abb. 2.

Abb. 2: Zulässige Teilflächen aus brennbaren Baustoffen innerhalb von "harten Bedachungen"

Nachweis „harte Bedachung“

Die bauordnungsrechtliche Anforderung „widerstandsfähig gegen Flugfeuer und strahlende Wärme bzw. harte Bedachung“ kann durch Klassifizierungen wie in Tabelle 2 erfüllt werden.

Hinweis

Bei der Zuordnung ist zu beachten, dass die genannten Klassifizierungen nach DIN EN 13501-5 nicht automatisch einen Nachweis für die Baustoffklassen einbeziehen. So muss, ausgehend von den bauaufsichtlichen Anforderungen, zusätzlich der Nachweis für mindestens normalentflammbar erbracht werden.

Widerstandsfähig gegen Flugfeuer und strahlende Wärme (DIN 4102-7:2018-11„Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen – Teil 7: Bedachungen – Anforderungen und Prüfungen“ i.V.m. DIN SPEC 4102-23:2018-07 „[…] Teil 23: Bedachungen – Anwendungsregeln für Prüfergebnisse von Bedachungen nach DIN CEN/TS 1187, Prüfverfahren 1, und DIN 4102-7“).

Folgende Kriterien liegen der Prüfung zugrunde (harte Bedachung):

  • Brandausbreitung auf der Dachoberfläche
  • Brandausbreitung innerhalb des Dachaufbaus
  • Durchdringung des Daches und das Auftreten von brennenden Tropfen oder Teilen entweder von der Dachunterseite fallend oder von der beanspruchten Dachoberfläche

Bei der Brandprüfung wird eine definierte Brandlast auf der Bitumenabdichtung bei 15 und 45 Grad Dachneigung entzündet. Das Bestehen der Prüfung ist u.a. abhängig vom Zeitpunkt des Erlöschens der Flamme, den Ablauflängen brennender Teile, dem Entstehen von Löchern und flammenden oder glimmenden Stellen an der Dachunterseite. Durch den Prüfaufbau werden in erster Linie die Auswirkungen eines Flugfeuers (von außen) simuliert. Die Prüfung kann mittlerweile alternativ auch auf der Basis der vergleichbaren DIN CEN/TS 1187, Verfahren 1, erfolgen.

DIN 4102-4 enthält in Abschnitt 11.4 eine Liste der gegen Flugfeuer und strahlende Wärme widerstandsfähigen Bedachungen. Folgende Bauprodukte sind (unabhängig von der Dachneigung) ohne weitere Nachweise als harte Bedachungen zu betrachten (Auszug):

  • "Bedachungen aus natürlichen und künstlichen Steinen, die nichtbrennbar sind, sowie aus Beton und Ziegeln,
  • Metallblech als oberste Lage, unter in der Norm genannten Materialeigenschaften und Randbedingungen,
  • Bedachungen mit Bitumen-Dachbahnen,unter in der Norm genannten Materialeigenschaften (dabei handelt es sich in der Regel um besandetes Material) und Randbedingungen."

Unabhängig davon können Bedachungen, die nicht die Anforderung „harte Bedachung“ erfüllen, durch einen sog. "schweren Oberflächenschutz" ertüchtigt werden. Dieser besteht aus "vollständig bedeckender, mindestens 5 cm dicker Schüttung aus Kies 16/32 oder einer Bedeckung aus mindestens 4 cm dicken Betonwerksteinplatten oder anderen mineralischen Platten" (DIN 4102-4 Abschnitt 11.4)

Für die Praxis

Nicht alle hier aufgeführten Konstruktionen dürfen entsprechend der Flachdachrichtlinie (Regeln für Abdichtungen, Deutsches Dachdeckerhandwerk) und der Normenreihe DIN 18531 "Abdichtung von Dächern sowie von Balkonen, Loggien und Laubengängen" als Decklage bei mehrlagigen Ausführungen verwendet werden. Außerdem sind Dachdeckungssysteme mit Klassifizierung über abP oder auf Basis einer ETA erhältlich. Dabei ist v.a. zu beachten, dass der jeweilige Anwendungsbereich oft von bestimmten Dachneigungen begrenzt ist. Einige Dachdeckungssysteme liegen zudem im Geltungsbereich harmonisierter Normen.

Dachkonstruktionen mit Feuerwiderstand

Hinsichtlich der Anforderungen an die Tragkonstruktionen von Dächern liegen verschiedene Fälle vor:

Fall 1: Für das Dach selbst – als Raumabschluss – bestehen nach § 32 MBO Anforderungen an den Feuerwiderstand: Somit muss auch die damit zusammenhängende statische Unterstützung selbigen aufweisen. Beispiele dafür sind die Anforderungen in § 32 Abs. 6 oder 7 MBO.

Fall 2: Die LBOs stellen hinsichtlich der Tragwerke immer nur Anforderungen an tragende Wände und Stützen (§ 27 Abs. 1 MBO).

Für die darauf liegenden Dachbinder gelten diese Anforderungen zunächst nicht, und die bauaufsichtlichen Vorgaben für Decken (§ 31 MBO) sind auf sie nicht anzuwenden. Allerdings können sich Anforderungen aus der Statik ergeben: Handelt es sich bei den Stützen um Pendelstützen, sind also Binder bzw. andere Bauteile für die statische Aussteifung der Stützen erforderlich, übertragen sich die Anforderungen an den Feuerwiderstand auch auf das gesamte statisch wirksame Tragwerk. Weitergehende Anforderungen hinsichtlich der Tragkonstruktion können sich zudem aus deren statisch aussteifender Eigenschaft für brandschutztechnisch erforderliche Trennwände ergeben (§ 29 oder § 30 MBO). Anforderungen an das gesamte statische System des Dachtragwerks können aus Sonderbauvorschriften resultieren (z.B. MIndBauRL). Für Konsolen und Balken gibt es eigene Festlegungen in den Eurocodes bzw. DIN 4102-4.

Anschlüsse an aufgehendes Mauerwerk

§ 32 Abs. 7 MBO enthält eine Regelung, die den Brandüberschlag von niedrigen auf höhere Gebäudeteile verhindern soll. Demnach müssen „Dächer von Anbauten, die an Außenwände mit Öffnungen oder ohne Feuerwiderstandsfähigkeit anschließen, […] innerhalb eines Abstands von 5 m von diesen Wänden als raumabschließende Bauteile für eine Brandbeanspruchung von innen nach außen einschließlich der sie tragenden und aussteifenden Bauteile die Feuerwiderstandsfähigkeit der Decken des Gebäudeteils haben, an den sie angebaut werden“.

Ausgenommen von dieser Regelung sind Anbauten an Wohngebäude der GK 1 bis 3. Die Formulierung in der MBO ist etwas missverständlich und wird in der Praxis kontrovers diskutiert. Tatsächlich könnte man eine Auskragung des Erdgeschosses nicht als „echten“ Anbau verstehen. In der Praxis dominiert jedoch die Auffassung, dass alle Bauteile, über deren Dach aufgehende Fassaden mit Öffnungen angeordnet sind, von der Forderung der MBO betroffen sind. Das Dach muss dann von unten entsprechend den bei den Decken vorgegebenen Bauteilanforderungen geschützt werden, wie die Tabelle zeigt.

Abb. 3: Dachausbildung traufseitig aneinandergereihter Gebäude (Quelle: Lutz Battran, Einführung in den vorbeugenden Brandschutz, FeuerTrutz Network GmbH, 2020)

Traufseitig aneinandergebaute Gebäude

Nach § 32 Abs. 6 MBO müssen "Dächer von traufseitig aneinandergebauten Gebäuden […] als raumabschließende Bauteile für eine Brandbeanspruchung von innen nach außen einschließlich der sie tragenden und aussteifenden Bauteile feuerhemmend sein" (s. Abb. 3). Zu beachten ist bei allen Fällen: Selbst wenn die Anforderung sich nur auf eine Teilfläche des Dachs bezieht, muss die zugehörige Tragkonstruktion in allen statisch relevanten Teilen mindestens dieselbe Feuerwiderstandsklasse aufweisen.

Anforderung, resultierend aus Einbaubedingungen angrenzender Bauteile

Ein anderer Ansatz ergibt sich, wenn in Dachräumen oder Geschossen unterhalb des Dachraums Trennwände eingebaut werden sollen, deren Einbaubedingungen einen Anschluss an ein feuerwiderstandsfähiges Bauteil fordern. Ein typisches Beispiel dafür sind Trennwände F 30-B bzw. EI 30, meist als Trockenbauwände konzipiert, beim Dachgeschossausbau. Die Einbaubedingungen der Wand können es erforderlich machen, auch die Dachschräge (für die die MBO zunächst keinen Feuerwiderstand fordern würde) in einer Feuerwiderstandsklasse von unten auszubilden.

Der Artikel ist in Ausgabe 1.2022 des FeuerTrutz Magazins (Februar 2022) erschienen. Noch kein Abonnent? Testen Sie das FeuerTrutz Magazin im Mini-Abo mit 2 Ausgaben!

zuletzt editiert am 27.04.2022