Außenansicht des Altbaus des Andreas Quartiers in Düsseldorf (Quelle: Andreas Winkens)
Abb. 1: Ansicht des Altbaus von der Mühlenstraße aus (rechts der Eingang zum Bauteil AQ1, links das Hauptportal des AQ2) (Quelle: Andreas Winkens)

Planung | Ausführung

24. November 2021 | Teilen auf:

Brandschutzkonzept des Andreas Quartiers in Düsseldorf

Aus dem denkmalgeschützten ehemaligen Amts- und Landgericht in der Düsseldorfer Innenstadt wird das „Wohnzimmer Düsseldorfs“: ein Quartier, bestehend aus Wohnungen, Büroflächen, Restaurants, einem Café, einem Club und einem Hotel auf einer dreigeschossigen Tiefgarage. Der Beitrag erläutert ein Brandschutzkonzept im Spannungsfeld der Wünsche des Bauherrn, der Architektur und der zuständigen Behörden (Denkmalschutz, Bauaufsicht, Feuerwehr).

Von Andreas Winkens. Es gibt wohl wenige Projekte, die einen Planer tatsächlich mehr als zehn Jahre begleiten. Das Andreas Quartier in Düsseldorf gehört dazu. Inmitten der Altstadt, in unmittelbarer Nähe zur Andreaskirche, thront das altehrwürdige Amts- und Landgericht mit seinen Nebengebäuden, die aufgrund des Neubaus an der Werdener Straße nicht mehr benötigt werden.

Bereits im Jahr 2009 wurde mit einem Bauantrag zum Umbau und zur Sanierung des Gerichtsgebäudes sowie dem Neubau einer Tiefgarage ein erster Anlauf unternommen, die exponierte Lage einer neuen Nutzung zuzuführen.

Die Planung musste dann nochmals drei Jahre ruhen, bis 2012 mit einem großen Planungsteam die gesamte Quartierfläche neu bearbeitet werden konnte. Auf dem ca. 18.000 m² großen Grundstück sollten bis zu 300 Wohnungen, Bars, Cafés, Restaurants, aber auch Büroflächen und die Tiefgarage neu errichtet und in den denkmalgeschützten Bestand integriert werden.

Bauteile des Andreas Quartiers

Insgesamt neun Bauteile mit einer Gesamt-BGF von ca. 90.000 m² wurden am Ende wie folgt realisiert:

  • AQ 1–3 Altbau (Hotel, Büro, Gastronomie, Konferenz, Wohnen, Gewerbe)
  • AQ 4.1/4.2 Hochhaus (Wohnen) – denkmalgeschützte Fassade
  • AQ 5 Gebäude mittlerer Höhe (Wohnen)
  • AQ 6.1/6.2 Hochhaus (Wohnen)
  • AQ 7 „Lifestyle-Haus“ (Gastronomie und Büro) – denkmalgeschützte Fassade
  • AQ 8.1/8.2 Gebäude mittlerer Höhe (Wohnen)
  • AQ 8.3 „Solitär“ (Gastronomie und Büro)
  • AQ 9 Tiefgarage

Insgesamt wurden acht Brandschutzkonzepte für das Andreas Quartier erarbeitet. Der Fokus in diesem Beitrag soll auf dem sogenannten Altbau (AQ1 – AQ3) liegen (Abb. 1). Das in den 1920er-Jahren errichtete ehemalige Gerichtsgebäude mit der zentralen Treppenhalle beherbergt heute sechs verschiedene Nutzungen in sieben oberirdischen Geschossen mit einer Gesamtfläche von ca. 35.000 m², die sich auf drei Gebäudeteile (Realteilung) aufteilen.

Abb. 2: Übergang des Altbaus AQ3 zum Neubau AQ4 mit durchgängiger Bestandsfassade (Quelle: Andreas Winkens)

Die Erschließung erfolgt für alle drei Bauteile des Altbaus von der Mühlenstraße aus, wo sich auch der Anlaufpunkt für die Feuerwehr befindet. Nebeneingänge befinden sich außerdem an der Liefergasse, an der Neubrückstraße und an den neu geschaffenen Verkehrsflächen „Mutter-Ey-Platz“ und „Am alten Amtsgericht“. Das Herzstück des Gebäudes besteht aus der über vier Geschosse offenen historischen Halle (AQ2b), die nun als Versammlungsstätte genutzt wird. Beidseits und unterhalb dieser Halle befinden sich zwei Restaurants, die über eine gemeinsam genutzte Küche versorgt werden. Ebenfalls unmittelbar an die Halle angrenzend befinden sich in den obersten Geschossen noch Wohnungen.

Der nördliche Gebäudeteil (AQ2a) nimmt über sechs Geschosse die Hotelnutzung einschließlich aller Nebenräume (Müll- und Lagerräume, Technik, Personal, Fitnessraum) auf.

Im östlichen Gebäudeteil AQ1 befinden sich ein weiteres Restaurant und eine gewerbliche Nutzung (Barber-Shop) im EG, die OG dienen ausschließlich Büro- und Verwaltungsnutzungen. Der westliche Gebäudeteil AQ3 beherbergt ein alle sechs Geschosse umfassendes Konferenzzentrum, das im EG über eine eigene Küche mit Speisesaal und in den OG über verschieden große Konferenz- und Tagungsräume verfügt.

Somit waren in der Planung neben der Bauordnung NRW noch diverse Sonderbauverordnungen (Versammlungsstätte, Beherbergung, aufgrund der Schnittstellen auch Garage und elektrische Betriebsräume) zu beachten, immer auch unter Berücksichtigung der besonderen Belange des Denkmalschutzes. Aufgrund von Planungsfortschreibungen, Umplanungen und Nutzungsänderungen wurde das Brandschutzkonzept für den Altbau seit 2009 mehrfach fortgeschrieben und tektiert. Die letzte Fassung der veränderten Ausführung datiert auf den 20.05.2019, als finale Tektur zur abschließenden Inbetriebnahme zusammengefasst.

Vor diesem Hintergrund darf nicht unerwähnt bleiben, dass über die gesamte Projektdauer ein sehr enger Austausch mit der Bauaufsicht und der Feuerwehr erfolgte, bei dem stets genehmigungsfähige Kompromisse erreicht wurden. Unter Berücksichtigung der Komplexität des Projekts, der Mieter- und Bauherreninteressen sowie unter wirtschaftlichen und Gesichtspunkten des Denkmalschutzes wurden für den Altbau AQ 1-3 insgesamt neun Abweichungsanträge und 14 Erleichterungen gestellt und genehmigt. Seit 2017 wurden die verschiedenen Nutzungen sukzessive im Rahmen von einzelnen Nutzungsgestattungen in Betrieb genommen. Die gesamtheitliche Inbetriebnahme bzw. abschließende Fertigstellung aller Bauteile des Quartiers konnte im Oktober 2020 erfolgen.

Abb. 3: Brandschutzvisualisierung EG (Quelle: Andreas Winkens)

Konstruktiver baulicher Brandschutz und Denkmalschutz

Schon sehr früh in der Planung war aufgrund der Untersuchungen zum Bestand klar, dass insbesondere die Decken großflächig nicht die zurzeit geforderte Feuerwiderstandsdauer von 90 Min. erreichen, sodass Ertüchtigungs- und Kompensationsmaßnahmen erforderlich sein würden. In den meisten Fällen konnte dafür in Abstimmung mit dem Tragwerksplaner ein Brandschutzputz verwendet werden.

In einigen Bereichen gibt es jedoch noch Decken mit Originalstuck, die unterseitig zu erhalten waren, sodass dort weder eine Bekleidung noch eine Installation von Deckensprinklern möglich war. Auch dafür konnte dank Koordinierung mit den TGA-Planern und den Prüfsachverständigen durch die Installation von Weitwurf-Seitenwandsprinklern eine genehmigungsfähige und abnehmbare technische Lösung gefunden werden.

Eine weitere Herausforderung bestand in der Herstellung der Brandabschnitte in den Gebäudeecken zwischen den Realteilen, insbesondere im Dachbereich und im Übergang zum angrenzenden Bauteil AQ4 an der Liefergasse. Die historische Fassade, wie auch die Dachkonstruktion, führt über den Altbau hinaus bis in den Neubau AQ4. Da die Brandwand dort bedingt durch den Denkmalschutz nicht über die Dachhaut geführt werden durfte, wurde eine einseitig 1 m auskragende feuerbeständige Betonplatte unterhalb der Dachhaut hergestellt.

In den Gebäudeecken innerhalb des Altbaus war die Lösung nicht so einfach. In den unteren Geschossen wurden zur Vermeidung des Brandüberschlags über Eck die Brandwände so versetzt, dass die Brandabschnittstrennung nicht direkt im Eckbereich lag. Im Dachgeschoss half aber auch diese Variante nur begrenzt aufgrund der Kehlen in der Dachkonstruktion. Dort wurden erneut bauliche (neue Wand und Deckenkonstruktionen) und technische (Sprinkler) Maßnahmen kombiniert, um eine Brandweiterleitung über die Brandabschnittsgrenze hinweg zu verhindern.

Ein Großteil der Hotelfläche wurde neu errichtet (Wände und Decken), indem die nördliche Fassade zum Innenhof entfernt und das Bestandsgebäude um einige Meter verlängert wurde. Auch die Dachkonstruktion in diesem Bereich wurde neu hergestellt, in allen anderen Bereichen des Altbaus konnte der originale Holzdachstuhl erhalten bleiben.

Abb. 4: Historische Tonnendecke als oberer Raumabschluss der Treppenhalle (Quelle: Andreas Winkens)

Eine weitere Sonderlösung betrifft die sogenannte „Tonnendecke“ der Halle. Die abgehängte Konstruktion als oberer Raumabschluss des geplanten Versammlungsraums konnte baulich aufgrund des Denkmalschutzes nicht ertüchtigt werden, sodass auch dort eine technische Kompensation erforderlich war. Diese Lösung besteht aus einer vorgesteuerten Löschanlage, die im Wesentlichen aus Weitwurf-Seitenwandsprinklern besteht, die durch lineare und punktförmige Rauchmelder sowie Temperatursensoren in Zwei-Meldungs-Abhängigkeit ausgelöst werden. Bereiche, in denen aus Gründen des Denkmalschutzes auch keine Seitenwandsprinker installiert werden konnten, werden brandlastfrei gehalten.

Des Weiteren ist die Halle mit einer maschinellen Rauchabzugsanlage ausgestattet, deren Nachströmung über automatisch öffnende Fenster in der Fassade gewährleistet ist. Dank der Ausrichtung der Fenster in verschiedene Himmelsrichtungen werden dabei auch ungünstige Windverhältnisse berücksichtigt und minimiert.

Eine andere Herausforderung des Denkmalschutzes waren die Türen. So mussten an einigen Stellen Türkonstruktionen mit Sondermaßen eingesetzt werden, an anderer Stelle wurden Doppeltüren verbaut, sodass die Bestandstür erhalten und dahinter eine zweite Tür mit ordnungsgemäßer Brandschutzqualität installiert wurde. […]

Weiterlesen? Der vollständige Artikel ist im FeuerTrutz Magazin 5.2021 (Oktober 2021) erschienen. Darin werden außerdem die Umsetzung der Rettungswege, der technische Brandschutz, die Rauchableitung, der organisatorische Brandschutz sowie die Erstellung einer Steuermatrix im Rahmen des Brandschutzkonzeptes beschrieben.

zuletzt editiert am 24.11.2021