Energie- und Zukunftsspeicher in Heidelberg (Quelle: © Rendering LAVA Architekten)
Abb. 1: Energie- und Zukunftsspeicher als Teil des Bewegungsparks (Quelle: © Rendering LAVA Architekten)

Planung | Ausführung

14. October 2021 | Teilen auf:

Brandschutzkonzept des Energie- und Zukunftsspeicher in Heidelberg

Energie in Bewegung

Die Aufgabe der nachhaltigen Transformation von Energiegewinnung und Mobilität gelingt, sobald Strukturen und Werkzeuge der Umgestaltung erlebbar werden. Genau dies ist das Ziel des Energie- und Zukunftsspeichers. Als Wärme-Pufferspeicher ist er ein Baustein der Energiekonzeption 2020/2030 der Stadtwerke Heidelberg [1]. Als Bauwerk setzt er die Erschließung des umliegenden Bewegungsparks bis in Turmhöhe fort. Mit minimiertem Materialeinsatz orientiert er sich am Schiffs- und Turmbau, ebenso wie das Brandschutzkonzept: Ziele sind weitgehende Reduktion des materiellen Einsatzes bei größtmöglicher Verlässlichkeit und Eigenständigkeit im Brandfall. Seine bewegliche Seilnetzhülle übersetzt Wind und Licht in Bewegung und macht so die Wandlung erlebbar.

Von Andreas Flock. Städte sind Motoren der Transformation gesellschaftlichen Wirkens hin zu einer klimaneutralen oder gar zirkulären Wirtschaftsweise. Heidelberg hat 2019 auf die vorliegenden Erkenntnisse reagiert und den Klimanotstand ausgerufen. Das daraufhin erklärte Ziel ist die Klimaneutralität bis zum Jahre 2050 [2]. In diesem Konzept dient der Energie- und Zukunftsspeicher als Wärmepuffer. Dort wird Wasser aus dem Fernwärmenetz mit einer Temperatur von ca. 115 °C zwischengelagert. Mit einem Nutzvolumen von ca. 12.800 m³, einem Gesamt-Bruttovolumen von ca. 20.000 m³ und einer Höhe von ca. 55 m überschreitet der Energie- und Zukunftsspeicher die Hochhausgrenze und darf als eines der höchsten Gebäude der Stadt gelten. Der architektonische Entwurf erweitert dabei den technischen Nutzwert um einen Sockel aus Erschließung und technischer Infrastruktur, eine Krone aus Veranstaltungsräumen und Dachterrasse sowie die äußere, zwischen Krone und Sockel gespannte Netzstruktur mit der umlaufenden Helix-Außentreppe. Speicher und Funktion werden zugänglich und erlebbar. An der Stelle des historischen Gasometers wird der Energie- und Zukunftsspeicher so die Energiewende als Wahrzeichen im Stadtbild verankern (Abb. 2).

Bautafel: Energie- und Zukunftsspeicher in Heidelberg

Geometrie

  • Durchmesser Behälter ca. 25,0 m
  • Größter Durchmesser Bauwerk ca. 37,60 m
  • Höhe nach § 2, 4, Satz 2 LBO ca. 46,17 m
  • Größte Höhe Bauwerk ca. 55,0 m
  • Größte Brutto-Grundfläche ca. 1.087 m2

Nutzungen

  • 01 EG/Erdgeschoss – Haupteingang, Zugang der Feuerwehraufzüge und der Helix-Außentreppe, Empfang und Einlasskontrolle, Technik, Lager
  • 02 OG/Technik – Polsterdampfanlage
  • 06/Technik – Haustechnik der Aufenthaltsbereiche der Ebenen 07 bis 09
  • 07/Veranstaltung – Veranstaltungsraum und zugeordnete Nutzungen
  • 08/Mezzanine – Personal- und Nebennutzungen
  • 09/Dachterrasse – Veranstaltungen, Bar

Mitwirkende

  • Stadtwerke Heidelberg: Michael Teigeler, Heiko Faulhammer
  • Amt für Baurecht und Denkmalschutz: Harald Danisch, Gabriele Augsburger
  • Feuerwehr Heidelberg, vorbeugender Brandschutz: Denis Kullik, Frank Löb, Harald Olbert
  • Architektur: LAVA Berlin, Tobias Wallisser, Miriam Gruber, Anastasya Vitusevych, Valerie Kerz, Wassef Dabboussi, Christian Tschersich
  • Brandschutzkonzept: brandkontrolle Andreas Flock GmbH, Andreas Flock, Gordana Schmelzer, Friederike Michel
  • Baukonstruktion: schlaich bergermann partner, Knut Stockhusen, Jörg Mühlberger, Matthias Widmayer, Sebastian Krooss, Daniel Stiegler
  • Anlagentechnik: Dipl.-Ing. W. Schulz Ingenieurgesellschaft mbH, Henning Schulz
  • Bauphysik: CAPE GmbH, Florian Deisinger, Sebastian Hillnhütter
  • Klimatechnik: transsolar Klima Engineering, Matthias Rudolph
  • Außenanlagen: A24 LANDSCHAFT Landschaftsarchitektur GmbH, Melih Kös, Steffan Robel, Sabine Jeschke, Daniel Angulo-Garcia, Georg Auersperger

Abb. 2: Der Energie- und Zukunftsspeicher im Stadtbild (Quelle: © Rendering LAVA Architekten)

Vernetzung

Der Energie- und Zukunftsspeicher ist Teil der vernetzten Energieerzeugung wie auch der Funktions- und Wegestruktur der Stadt. Menschen, die sich im umliegenden Bewegungspark mit neuen Prothesen der benachbarten AdViva ihre Mobilität neu erschließen [3], finden die Helix-Außentreppe als Erweiterung ihrer Trainingsstrecke in die Höhe – auch könnte diese durch Sportler oder Vereine für Wettkämpfe oder ihre Vorbereitung genutzt werden. Übersetzt wird die Vernetzung des Bauwerks durch das Netz, das von den Elementen bewegt wird (Abb. 1).

Brandschutz

Das Brandschutzkonzept wurde mit der Genehmigung vom 22. Mai 2018 Grundlage der Ausführung. Dabei erwies sich das in Baden-Württemberg weitergeführte Verfahren der Prüfung des Brandschutznachweises durch die untere Bauaufsicht in fachlicher Begleitung der Abteilung Vorbeugender Brandschutz der Heidelberger Feuerwehr als verlässliche Grundlage der Planung und Ausführung. Die inhaltliche und formale Unterstützung auch über die Ermessensräume verschiedener Bearbeiter hinweg war und ist ermutigend und hilfreich – an dieser Stelle einen herzlichen Dank!

Abb. 3: Der Energie- und Zukunftsspeicher im Bau (Quelle: © Foto: LAVA Architekten 2019)

Ausgangslage und konkretisierte Schutzziele

Die Anordnung von Veranstaltungsbereichen auf dem Energiespeicher entspricht hinsichtlich des brandschutztechnischen Anforderungsprofils der Nutzung eines stählernen Ingenieurbauwerks mit Aufenthaltsräumen über der Hochhausgrenze. Als inhaltlich vergleichbare Objekte können der Funkturm in Berlin mit einem Restaurant auf Höhe von ca. 50 m, der Aalborgtornet in Aalborg mit einem Restaurant auf Höhe von ca. 54 m sowie der Eiffelturm in Paris mit einem Restaurant auf ca. 58 m Höhe genannt werden (Abb. 4).

Wie bei einem Hochhaus sind die wesentlichen Kriterien

  • der brandschutztechnischen Ausstattung der Erhalt des Tragwerks,
  • die eigenständige vertikale Erschließung,
  • die automatische Kontrolle eines Entstehungsbrandes,
  • die automatische Überwachung von Brandkenngrößen zur Früherkennung und Alarmierung während einer frühen Brandentwicklungsphase sowie
  • die Bereitstellung der für den erfolgreichen Vortrag eines Löschangriffs erforderlichen Ausrüstung für die Einsatzkräfte.
Abb. 4: Das Restaurant in der Krone des Energie- und Zukunftsspeichers (Quelle: © Rendering LAVA Architekten)

Besondere Beachtung bei der Konkretisierung der Schutzziele für den Energie- und Zukunftsspeicher benötigt die notwendige größtmögliche Material- und Gewichtseinsparung der Aufbauten.

Mit dieser Zielstellung ist beispielsweise sein Tragwerk durchgehend als unbekleidetes, automatisch gekühltes Stahlskelett mit reduzierten Deckenaufbauten geplant. Vor diesem Hintergrund wird die automatische Löschtechnik hinsichtlich ihrer Wirksamkeit, ihrer Ausfallsicherheit sowie der Berücksichtigung möglicher verbleibender Restrisiken geplant und ausgeführt. Für den Energie- und Zukunftsspeicher können die Schutzziele des § 15 LBO wie folgt konkretisiert werden:

  • Zuverlässiger Erhalt des Tragwerks ohne klassifizierten Feuerwiderstand
  • Eigenständige Sicherung der Erreichbarkeit sämtlicher Ebenen
  • Bereitstellung einer leistungsfähigen Ausstattung für die Einsatzkräfte der Feuerwehr

Wenn gleich in Baden-Württemberg keine Hochhausrichtlinie eingeführt ist, muss das Schutzniveau dem in der MHHR dargestellten mindestens vergleichbar sein. […]

Weiterlesen? Der vollständige Artikel ist in Ausgabe 4.2021 des FeuerTrutz Magazins erschienen. Darin werden die Brandschutzmaßnahmen hinsichtlich der Löschanlage, Alarmierung sowie der Flucht- und Rettungswege vorgestellt.

Quellen

[1] Energiekonzeption 2020/2030, Stadtwerke Heidelberg 2017

[2] Energie und Klimaschutz für eine energieneutrale Kommune, Stadt Heidelberg 2020

[3] AdViva GmbH, Wir helfen bewegen, AdViva 2021

[4] Felix Heisel, Dirk E. Hebel (Hrsg., 2021): Urban Mining und kreislaufgerechtes Bauen, die Stadt als Rohstofflager, 1. Auflage, Fraunhofer IRB Verlag, Stuttgart

[5] (Circular Economy) DGNB (Hrsg.): Circular Economy, 2018, DGNB

[6] Martina Metzner: Grüner wird’s nicht, in: form 288: Krise und Design, 2020, Verlag form Frankfurt

[7] Peter Wesner: Das Richtige richtig tun, in: form 288: Krise und Design, 2020, Verlag form Frankfurt

[8] www.swhd.de/energiespeicher

[9] www.heidelberg.de/hd/HD/Leben/Energie+und+Klimaschutz.html

[10] www.adviva-info.de/news/workouts-gymnastik-und-bewegungstraining

zuletzt editiert am 14.10.2021