Holzwand mit Funktionserhaltleitungen (Quelle: OBO Bettermann Holding GmbH & Co. KG)
Abb. 1: Holzwand mit Funktionserhaltleitungen (Quelle: OBO Bettermann Holding GmbH & Co. KG)

Planung | Ausführung

11. August 2021 | Teilen auf:

Brandsichere Elektroinstallationen in Gebäuden in Holzbauweise

Das Bauen mit Holz hat in den letzten Jahren zunehmend an Fahrt aufgenommen. Viele Argumente sprechen für den Baustoff: Nachhaltigkeit, Raumklima oder Architektur, um nur einige zu nennen. Baurechtlich möchte man dem Einsatz des brennbaren Baustoffs für die Verdichtung von Wohnräumen, z.B. durch Aufstocken von Bestandsgebäuden, Rechnung tragen. Wie im Entwurf für die Überarbeitung der „Muster-Richtlinie über brandschutztechnische Anforderungen an hochfeuerhemmende Bauteile in Holzbauweise“ (M-HFHHolzR) mit dem Thema Elektroinstallationen umgegangen wird, zeigt dieser Beitrag.

Von Stefan Ring. Mit einem Schreiben vom 7. Januar 2021 kündigte das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bauen und Verkehr an, dass die Einführung des Musters der neuen Holzbaurichtlinie (MHolzBauRL) mit Stand von Oktober 2020 als Technische Baubestimmung des Landes beabsichtigt sei. Weitere Bundesländer werden wohl folgen.

Während in der alten Fassung der Holzbaurichtlinie Brandschutzverkleidungen für die hochfeuerhemmenden Bauteile gefordert wurden, sieht das Muster auch unbekleidete, hohlraumfeie Massivholzbauteile vor.

Der Feuerwiderstand von 60 Minuten muss für diese Bauarten konstruktiv erreicht werden.

Die Installation von elektrischen Leitungen wird im Abschnitt 7 des Musters geregelt: Leitungen dürfen nicht innerhalb der Wände und Decken mit brandschutztechnischer Funktion verlegt werden. Sie müssen hinter Vorsatzschalen angeordnet werden (Abschnitt 7.1). Gemäß Abschnitt 7.2 dürfen Einzelleitungen oder maximal drei Leitungen, die zur direkten Versorgung der benachbarten Räume innerhalb derselben Nutzungseinheit dienen, in nicht brennbaren Hüllrohren bis zu einem Gesamtdurchmesser von 32 mm in den Wänden und Decken geführt werden. Ansonsten sind Schächte, Kanäle und Verkleidungen zu verwenden. Durchdringungen müssen mit nicht brennbaren Baustoffen verschlossen werden. In notwendigen Treppenräumen dürfen sich nur Leitungen zur Versorgung derselben befinden. Diese müssen wie oben beschrieben angeordnet werden. Hohlwanddosen zum Einbau von Schaltern, Steckdosen und Verteilern dürfen einzeln mit einem Abstand von mindestens 150 mm zum nächsten Holzständer eingebaut werden. Gegenüberliegende Einbauten sind untersagt, die Anordnung muss gefachversetzt ausgeführt werden. Innerhalb des Wandhohlraums müssen die Hohlwanddosen vollständig mit Dämmstoffen umhüllt sein.

Diese dürfen bis auf eine Mindestdicke von 30 mm gestaucht werden.

Leitungsdurchführungen durch Wände und Decken

Abb. 2: Prinzipskizze 6 aus dem Entwurf der MHolzBauRL 2020: Öffnungen u.a. für Durchführungen mit Brandschutzbekleidungen (Quelle: Auszug aus dem Entwurf MHolzBauRl Stand 28.10.2020)

Leitungsdurchführungen durch feuerwiderstandsfähige Bauteile werden im Abschnitt 4.7 des Musters der Richtlinie behandelt. Dieser Teil befasst sich mit Öffnungen u.a. für Durchführungen. Die Ausführung erfolgt gemäß der Prinzipskizze 6 (s. Abbildung 2). Die Richtlinie sieht an dieser Stelle vor, dass die Öffnung umlaufend über Füllhölzer verfügen muss, die für einen stabilen Rahmen sorgen. Anschließend wird die Laibung mit 2 × 18 mm starken Gipsplatten oder ähnlichen nicht brennbaren Baustoffen gemäß Abschnitt 4.2 verkleidet. Dabei ist auf die Ausbildung eines Fugenversatzes oder eines Stufenfalzes zu achten. Werden an den Verschluss brandschutztechnische Anforderungen gestellt, z.B. für Kabel- und Rohrabschottungen, müssen entweder baurechtliche Ver- bzw. Anwendbarkeitsnachweise für die Brandabschottung oder eine entsprechende Leistungserklärung in Kombination mit einer Montageanleitung vorgelegt werden.

Der Hinweis auf die Leistungserklärung (Declaration of Performance DoP) bezieht sich auf europäische Bauprodukte, da offensichtlich die Europarechtskonformität der Richtlinie mit einfließen soll. Auf die Notwendigkeit einer allgemeinen Bauartgenehmigung für die ETA-basierten Systeme in Deutschland soll an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden.

Die meisten Abschottungsbauarten nach DIN 4102 Teil 9 oder DIN EN 1366-3 sind nur in massiven Bauteilen bzw. leichten Trennwänden mit Metallunterkonstruktion und Feuerschutzplatten geprüft und zugelassen. In der jüngeren Vergangenheit kamen auch leichte Trennwände mit Holzunterkonstruktionen dazu. Die Anwendung in Massivholzbauteilen in hochfeuerhemmender Bauweise ist noch nicht Bestandteil der Prüfungen; somit gibt es keine direkten Ver- und Anwendbarkeitsnachweise für die Nutzung in Bauteilen in Holzbauweise.

Umsetzung von Abschottungsystemen

Abb. 3: Abschottung in einer Laibung aus nicht brennbaren Brandschutzplatten in einer leichten Trennwandkonstruktion (Quelle: OBO Bettermann Holding GmbH & Co. KG)

In der Praxis verwendet man Abschottungssysteme, die in einer leichten Trennwand die Prüfung bestanden haben. Dazu wird ein Rahmen als Laibung in der Wandöffnung montiert und darin das Schott installiert. Ein Beispiel dazu zeigt die Abbildung 3.

Diese Montagevariante erfüllt i.d.R. die Anforderungen an die in der Holzbaurichtlinie beschriebene Auskleidung der Bauteillaibung. Da die meisten Abschottungssysteme in Trennwänden mit Stahl- oder Holzunterkonstruktionen einen Feuerwiderstand von 90 Minuten nachgewiesen haben (S 90/EI 90), ist die Mindestanforderung an das hochfeuerhemmende Bauteil mehr als erfüllt. Zu den Anwendungen verschiedener Brandabschottungen liegen Prüfberichte und auch brandschutztechnische Stellungnahmen vor, die von der unteren Bauaufsicht in Ermangelung baurechtlicher Nachweise  akzeptiert werden. Es ist davon auszugehen, dass es in Zukunft ordnungsgemäße Ver- und Anwendbarkeitsnachweise geben wird.

Abb. 4: Abschottung in einer hochfeuerhemmenden Massivholzwand (Quelle: OBO Bettermann Holding GmbH & Co. KG)

Die Abbildung 4 zeigt ein Beispiel einer Kombiabschottung in einer Massivholzwand. Die brandschutztechnische Bekleidung ist dabei angedeutet. An die weiteren Elektroinstallationen in Gebäuden in Holzbauweise werden natürlich zusätzlich die brandschutztechnischen Anforderungen gemäß der Leitungsanlagen-Richtlinie gestellt. Diese ist bereits über die Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen in den Bundesländern eingeführt. Für die Elektroinstallation kommen außerhalb des Geltungsbereichs der LAR meist Standardmaterialien zum Verlegen und Befestigen zum Einsatz. Aufgrund des höheren Brandrisikos in Gebäuden aus Holz ist allerdings zu empfehlen, halogenfreie Installationsmaterialien zu verwenden. Diese haben den Vorteil, dass sie im Brandfall keine gefährlichen korrosiven Gase bilden und meistens rauchärmer verbrennen. Installationsmaterialien aus halogenfreien Kunststoffen werden immer mehr angeboten, zum Teil auch mit sehr hoher Flammwidrigkeit. Darunter fallen Elektroinstallationskanäle aus Kunststoff, aber auch Kabelabzweigkästen sowie Befestigungsmittel. Da Kabel und Leitungen Bauprodukte nach Europäischer Bauproduktenverordnung sind, müssen sie mindestens als normal entflammbar klassifiziert sein. Die Kabelhersteller müssen das Brandverhalten ihrer Produkte deklarieren; die Forderung nach halogenfreien Kabeln und Leitungen existiert zurzeit baurechtlich jedoch nicht. In Flucht- und Rettungswegen bieten sich brandgeprüfte Installationskanäle an, da diese bei einem Kabelbrand für die sichere Benutzbarkeit der notwendigen Flure und Treppenräume sorgen und darüber hinaus die Brandweiterleitung verhindern.

Fazit

Sichere Elektroinstallationen sind also auch in Gebäuden in Holzbauweise möglich. Es bleibt abzuwarten, wann die neue Holzbaurichtlinie als Technische Baubestimmung die Fassung aus dem Jahr 2004 ablösen wird. Die grundsätzlichen Anforderungen an die Elektroinstallation haben sich aber nicht gravierend verändert.

Der Artikel ist in Ausgabe 3.2021 des FeuerTrutz Magazins (Juni 2021) erschienen.
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zuletzt editiert am 09.08.2021