Brandmelderzentrale (Quelle: Hekatron)
Abb. 1: Brandmelderzentrale (Quelle: Hekatron)

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01. September 2021 | Teilen auf:

Die Entwicklung des anlagentechnischen Brandschutzes

In Deutschland ist heute das Schutzniveau in Bezug auf den Brandschutz in und an Gebäuden sehr hoch. Die in den letzten Dekaden zunehmende Bedeutung des anlagentechnischen Brandschutzes hat mit hierzu beigetragen. Die anlagentechnischen Maßnahmen sind mittlerweile eine tragende Säule des Brandschutzes und ermöglichen es, diesen wirksam, flexibel und wirtschaftlich zu realisieren. In Zukunft werden die Ingenieurmethoden, besonders bei komplexen bzw. anspruchsvollen Gebäuden, dabei helfen, intelligente Brandschutzlösungen zu finden. Auch hier wird die Anlagentechnik ein wichtiger Bestandteil eines umfassenden Brandschutzsystems sein.

Dieser Beitrag ist 2021 im Rahmen des 25-jährigen Jubiläums der Marke FeuerTrutz in einer Sonderausgabe zum FeuerTrutz Magazin erschienen. Das E-Paper dazu ist kostenlos in der FeuerTrutz Medien App verfügbar.

Von Sebastian Festag und Chiara Herbster. Die Risikosituation im Bereich des Brandschutzes hat sich in den letzten 25 Jahren erheblich verbessert – obwohl die aus den Bränden resultierenden Schadenssummen steigen [1].

Alleine in den letzten 10 Jahren hat sich die Zahl der Sterbefälle durch Brände in Deutschland halbiert [2] und die Anzahl der Brände ist tendenziell rückläufig. Grundsätzlich ist heute in Deutschland ein hohes Schutzniveau zu verzeichnen, dass es erst mal zu halten gilt.

Die Anlagentechnik war früher eine Maßnahme, um das Schutzniveau zusätzlich zu den baulich materiellen und organisatorischen Brandschutzmaßnahmen zu erhöhen. In den letzten 25 Jahren hat sich die Anlagentechnik zunehmend zu einer tragenden Säule des Brandschutzes entwickelt.

Durch den Einsatz anlagentechnischer Brandschutzmaßnahmen eröffnen sich heute für Architekten und Ingenieure immense Möglichkeiten. Durch die projektspezifische Anwendung der Ingenieurmethoden des Brandschutzes können mithilfe probabilistischer Methoden innovative, wirksame und wirtschaftliche Brandschutzkonzepte in Alt- und Neubauten erstellt werden, um die Verkehrssicherungspflicht sicherzustellen [3].

Dazu kommt, dass insbesondere bei Sanierungen oder Umnutzungen von älteren oder unter Denkmalschutz stehenden baulichen Anlagen eine Brandschutzertüchtigung entsprechend den aktuellen bauordnungsrechtlichen Anforderungen oftmals wirtschaftlich nicht möglich ist. Hier unterstützen anlagentechnische Maßnahmen die Zielerreichung und ermöglichen – vor allem in anspruchsvollen Anwendungen – häufig erst die Realisierung des Brandschutzes von Gebäuden.

Zur Anlagentechnik beziehungsweise zum anlagentechnischen Brandschutz zählen die präventiv ergriffenen technischen Maßnahmen [1], wie automatische Brandmeldeanlagen und ihre verwandten Technologien (z. B. Rauchwarnmelder und Feststellanlagen) sowie Alarmierungsanlagen, automatische Feuerlöschanlagen, Rauch- und Wärmeabzugsanlagen und Systeme zur Fluchtweglenkung [4] (Abb. 2).

Anlagentechnische Maßnahmen verfolgen das Ziel, je nach konkretem Objekt den Personen- und Sachschutz zu gewährleisten sowie Fahrnisschäden zu vermeiden. In Zukunft wird die Anlagentechnik auch verstärkt den Umweltschutz unterstützen, da zum Beispiel durch eine frühzeitige Branderkennung der Brand beim Eintreffen der Einsatzkräfte nicht so weit ausgebreitet ist und damit weniger Löschwasser für die Brandbekämpfung benötigt wird (vgl. [1], [5] und [6]).

Die heute zur Verfügung stehenden anlagentechnischen Brandschutzmaßnahmen erkennen Brände automatisch, das heißt zu einem frühen Zeitpunkt und sicher (vgl. [7], [8] und [9]). Sie warnen gefährdete Personen in einer frühen Phase des Entstehungsbrandes, um eine schnelle Reaktion der betroffenen Personen zu initiieren. Neben der Selbstrettung profitiert die Fremdrettung von automatischen Maßnahmen, indem auch die Einsatzkräfte rasch alarmiert, die Zugangswege geöffnet und die Lokalisierung und Entwicklung von Bränden angezeigt werden (vgl. [10] und [11]).

Durch das Zusammenwirken der anlagentechnischen Maßnahmen werden Brände rasch bekämpft sowie Flucht- und Rettungswege raucharm bzw. rauchfrei und somit länger begehbar gehalten. Zunehmend wird die Selbstrettung durch dynamische Systeme mittels vor allem optischer und akustischer Signalisierungen unterstützt [11], indem die technischen Gewerke verstärkt ineinandergreifen.

Um integrative anlagentechnische Konzepte anzuwenden, ist eine Brandmeldeanlage bestehend aus einem Brandmeldesystem erforderlich, das die hohen technischen Anforderungen bezüglich der schnellen und sicheren Detektion eines Entstehungsbrandes und einer hohen Verfügbarkeit im Anforderungsfall erfüllt.

Abb. 1: Anlagentechnische Brandschutzmaßnahmen als Bestandteil des Brandschutzes (Quelle: in Anlehnung an Schmitz, P. et al.: Brandschutzleitfaden für Gebäude des Bundes)

Automatische Brandmeldeanlagen

Die ursprüngliche Aufgabe einer Brandmeldeanlage war es, Brände frühzeitig zu entdecken, anwesende Personen zu warnen und den Alarm an die Feuerwehr weiterzuleiten [12]. Heute wird von einer Brandmeldeanlage mehr erwartet. Durch die Weiterentwicklung der Sensorik sind über ausgeklügelte Algorithmen aus den ehemals „einfachen“ Brandmeldern mittlerweile Hochtechnologie-Brandmelder entstanden. Diese sind in der Lage, Entstehungsbrände sicher und schnell zu detektieren und neben einer Alarmmeldung eine Reihe von Zusatzinformationen an die Brandmelderzentrale zu übermitteln. Auf dieser Grundlage werden umfangreiche Aktionsprogramme angesteuert (z. B. automatische stationäre Löschanlagen, optische und akustische Fluchtwegsteuerungen, dynamische Aufzugsevakuierungssteuerungen, Rauch- und Wärmeabzugsanlagen, Rauchfreihaltungssysteme oder raumlufttechnische Anlagen).

Eine Brandmeldeanlage ist heutzutage fast immer als integraler Bestandteil eines Brandschutzkonzeptes für Gebäude besonderer Art oder Nutzung anzusehen (vgl. [3]). Sie werden insbesondere in der modernen Stahl- und Glasarchitektur von Gebäuden eingesetzt, um die Ziele der Brandschutzanforderungen zu erreichen.

Die Gefährdung von Personen durch die Emissionen von Brandrauch und Brandgasen bereits in einem sehr frühen Stadium eines Brandes – bevor es zu einer nennenswerten Wärmefreisetzung kommt – ist verstärkt in das Bewusstsein von Bauherren, Architekten, Fachplanern und Gebäudenutzern gerückt. Dies hat zur Folge, dass Brandmeldeanlagen immer mehr zur Standardausrüstung von Gebäuden werden, da sie eine wichtige Voraussetzung sind, um die Brandschutzanforderungen zu erreichen [3].

Zunächst wurden überwiegend punktförmige Brandmelder eingesetzt. Erst nach dem Ionisationskammerprinzip, dann vor allem nach dem Streulichtprinzip zur Erkennung von Brandrauch (vgl. [13]).

In den letzten Jahrzehnten werden zunehmend Sensoren zur Brandgasdetektion in die Algorithmen einbezogen. Mehrkriterien- oder kombinierte Mehrfachsensorbrandmelder verfügen über mehrere Sensoren für unterschiedliche Brandkenngrößen, die so verknüpft werden, dass sie einen Brand früh und zuverlässig erkennen. Gleichzeitig werden damit Täuschungsgrößen verhindert, bei denen die Anlagen bestimmungsgemäß funktionieren, aber brandähnliche Phänomene einen Falschalarm auslösen (vgl. [14] und [15]). Für spezielle Risiken in Bereichen, in denen mit schnell entflammbaren Flüssigkeiten und Stoffen zu rechnen ist, gibt es schnellansprechende Flammenmelder, die auf die ultraviolette oder infrarote Strahlung einer Flamme reagieren.

Eingesetzt werden auch Flammenmelder, die auf beide Spektren ansprechen. Daneben werden für besondere Anwendungen spezielle, meist linienförmige Brandmelder eingesetzt, z. B. mehrpunktförmige Ansaugrauchmelder oder linienförmige Rauchmelder für Bereiche, in denen die Brandmelder nicht sichtbar sein sollen, wie in Räumen mit Stuckdecken historischer Gebäude oder linienförmige Rauchmelder für atriumartige Gebäude bzw. Gebäude mit hohen Räumen, wie z. B. Flughafenhallen. Linienförmige Wärmemelder in diversen Konstruktionsarten werden ebenfalls für die Überwachung von speziellen Objekten wie Eisenbahn- und Straßentunnel sowie Industrieanlagen eingesetzt. Am häufigsten werden derzeit Brandmelder verwendet, die über eine Kombination von Rauch- und Wärmesensoren verfügen. Aber auch Brandmelder mit einer Kombination von Rauch-, Wärme- und CO-Sensoren sind am Markt verfügbar. Die Brandmelder müssen unter Berücksichtigung der möglichen Brandentwicklung, Raum- und Deckenkonstruktion, Umgebungsbedingungen und Störfaktoren ausgewählt und parametriert werden (vgl. [16]).

Die DIN 14675-1 ist zusammen mit den Teilen der Normenreihe DIN EN 54 die Grundlage für Produkt- und Systemnormen und regelt die Anforderungen an die Anlagen zur Brandmeldung und Feueralarmierung in und an Gebäuden.

Hierbei gilt es, die bauordnungsrechtlichen und feuerwehrspezifischen Regelungen einschließlich der Instandhaltung von Brandmeldeanlagen zu berücksichtigen. Die DIN 14675-2 regelt die Anforderungen an die Fachfirmen, um den bei Geräten und Systemen erreichten Qualitätsstandard konsequent auch bei den Dienstleistungen für Aufbau und Betrieb weiterzuführen. Ergänzend gelten die DIN VDE 0833-Reihe, VdS-Richtlinien sowie die technischen Anschlussbedingungen der Feuerwehren.

Automatische Feuerlöschanlagen

Feuerlöschanlagen ermöglichen es, die Brandausbreitung zu begrenzen, bis die Feuerwehrkräfte eintreffen, und reduzieren die Folgeschäden sowohl für Personen als auch Sachen und die Umwelt (vgl. [17] bzw. [18]). Sie dienen der schnellen Brandbekämpfung und stellen die Brandbekämpfung sicher, bis die Feuerwehr eintrifft. Die Sprinklerköpfe werden in den meisten Fällen thermisch aktiviert, woraufhin ein Löschmittel, in der Regel Wasser, direkt über den Brandherd oder über einem bestimmten Schutzbereich freigesetzt wird. Die Auslösezeiten der Sprühköpfe hängen von verschiedenen Faktoren ab, wie z. B. der Brandausbreitung, der Gebäudehöhe, der Ansprechempfindlichkeit (Response-Time-Index; RTI) und dem Abstand von der Plume-Achse (vgl. [19]).

Im Wesentlichen bestehen stationäre Feuerlöschanlagen aus einer Löschmittelversorgung, einem Rohrleitungsnetz mit Zwischen- und Vorratsbehältern, Pumpen und Ventilen sowie den Sprühköpfen. Im Sprühkopf befindet sich in der Regel eine flüssigkeitsgefüllte Glasampulle, die sich bei einem Brand erwärmt und bei der Überschreitung eines bestimmten Schwellenwertes bricht, sodass der Sprinkler ausgelöst wird. Die Wassertropfen verdampfen, wodurch dem Brand die erforderliche Wärme über einen „Kühleffekt“ entzogen wird. Je nach eingesetztem System und Löschmittel kann durch Wasserdampf oder andere Gase mittels einer Inertisierung der Sauerstoff verdrängt und so ein „Stickeffekt“ herbeigeführt werden, womit der Verbrennungsprozess unterbunden wird. Gleichzeitig behindert das Löschmittel die Zünd- und Brennfähigkeit der Brandmaterialien (vgl. [18]). Das Löschmittel schützt darüber hinaus die noch unverbrannten Objekte und Konstruktionselemente des Gebäudes vor der thermischen Belastung.

Die Bekämpfung von Bränden zunächst mit Wasser und Sand beruht auf einer langen Tradition. Entwicklungsschritte hin zu automatischen Systemen stellen eine wesentliche Grundlage für die heute zur Verfügung stehenden automatischen Löschanlagen dar, die ihre Verbreitung von den USA aus nahmen (vgl. [13]). Im Laufe der Zeit haben sich neben den konventionellen Wasserlöschanlagen auch Speziallöschanlagen durchgesetzt. Heute stehen verschiedene Anlagen und Löschmittel zur automatischen Brandbekämpfung zur Verfügung, deren Auswahl in der Regel von den Besonderheiten des Gebäudes und der Gebäudenutzung abhängt.

Abb. 3: Gaslöschanlage (Quelle: Hekatron)

Wasserlöschanlagen sind in verschiedene Anlagentypen unterteilt: Sprinkleranlagen, Sprühwasserlöschanlagen, Wassernebellöschanlagen und Schaumlöschanlagen, bei denen ein Schaummittel dem Löschwasser beigemischt wird.

Feuerlöschanlagen werden häufig durch Brandmeldeanlagen angesteuert. Darüber hinaus gibt es selbsttätige Anlagen sowie nichtselbsttätige Wasserlöschanlagen, wie z. B. Wandhydrantenanlagen.

Bei den Speziallöschanlagen werden die folgenden Arten unterschieden: Gaslöschanlagen mit halogenisierten Kohlenwasserstoffen, Kohlendioxid-Löschanlagen, Inertgas-Löschanlagen (z. B. Argon, Stickstoff und Kohlendioxid), Aktive Brandvermeidungssysteme/Sauerstoffreduzierungsanlagen, welche den Luftsauerstoffgehalt senken, Funkenlöschanlagen, Kleinlöschanlagen sowie Küchenschutz-Löschsysteme [20].

Feuerlöschanlagen sind mindestens einmal jährlich durch einen anerkannten Errichter zu überprüfen (Wartung, Inspektion, Instandsetzung und Verbesserung). Im Betrieb sind zusätzlich regelmäßige Kontrollen erforderliche und verantwortliche Personen für die Betreuung der Löschanlage zu benennen. (vgl. [19]).

Die Planung und Installation von Feuerlöschanlagen ist in der DIN EN12845 geregelt. Darüber hinaus regelt die VdS CEA 4001 die Planung und den Einbau von Sprinkleranlagen.

Rauch- und Wärmeabzugsanlagen

Rauch- und Wärmeabzugsanlagen (RWA) sind seit mehr als 25 Jahren ein wichtiger und wirkungsvoller Bestandteil von Brandschutzkonzepten. Sie haben die Aufgabe, im Brandfall Rauch und Wärme durch Konvektion abzuführen, d.h. durch eine Rauchableitung bzw. einen Rauchabzug, oder sie halten einen bestimmten Raum frei von Rauch. Natürliche RWA-Anlagen arbeiten nach dem Prinzip des thermischen Auftriebs, während bei maschinellen Anlagen die Rauchabführung durch eine Zwangslüftung (z. B. durch Ventilatoren) erfolgt.

Die bei einem Brand entstehenden Verbrennungsprodukte steigen auf und bilden unter der Decke eine Rauchgasschicht. Mithilfe der elektromotorischen Antriebe werden die RWA-Lüftungsflügel im Dach bzw. im oberen Bereich der Außenwände automatisch geöffnet.

Durch diese Öffnungen können Rauch und die Brandgase rasch aus dem Gebäude herausgeführt werden. Dabei muss ausreichend Zuluft vorhanden sein, um den Massenstrom auszugleichen.

RWA-Anlagen dienen einerseits dem Personenschutz – zur Unterstützung der Selbst- und Fremdrettung (z. B. durch Rauchfreihaltung) sowie des Löschangriffs – und andererseits dem Sachschutz (durch die thermische Entlastung der Bauteile mittels Rauchabzug). Die Rauchableitung anhand der Rauch- und Wärmeabzugsanlagen wird dazu genutzt, das Gebäude nach einem Brand wieder begehbar zu machen. Auslöseelemente für RWA sind automatische Rauchmelder, Handtaster und die Ansteuerung durch eine automatische Brandmeldeanlage (vgl. [1]).

Rauch- und Wärmeabzugsanlagen basieren auf verschiedenen Funktionsprinzipien. Eines davon ist die Rauchschichtungsmethode. Bei energiereichen Bränden bildet sich in hohen Räumen eine ausgeprägte Rauchschichtung, indem sich die Rauch- und Brandgase unter der Decke ansammeln.

Sowohl die Höhe der raucharmen Schicht als auch die Wirkungsweise des vorgesehenen Entrauchungssystems können heutzutage anhand von Ingenieurmethoden berechnet werden [20]. Mit diesen Methoden werden die notwendigen Entrauchungsflächen und Volumenströme, die als erforderliche Zuluftnachströmung dienen, dimensioniert.

Wird durch Ventilatoren ein kontrollierter Überdruck in einem zu schützenden Raum (z. B. Treppenraum, Schleuse, Treppenvorraum) erzeugt, der den Eintritt von Rauch- und Brandgasen verhindert, so ist die Rede von der Druckdifferenzmethode.

Eine Abströmungsöffnung im Brandgeschoss ermöglicht die Druckentlastung nach außen. Die Auslegung der Überdruckbelüftungsanlage erfolgt so, dass eine minimale Luftgeschwindigkeit in der offenen Tür den Raucheintritt verhindert und gleichzeitig eine maximale Druckdifferenz eingehalten wird, damit die Nutzer trotz höherer Türöffnungskräfte sicher in den schützenden Raum eintreten können [1].

Der Aufbau, die Planung und Errichtung von RWA sind in der DIN EN 12101-6, 2005 sowie in VDMA 24188, 2011 standardisiert. Anerkannte Berechnungsverfahren sind für natürlich Rauchabzugsanlagen (NRA) in DIN 18232-2 (2007) und für maschinelle Rauchabzugsanlagen (MRA) in DIN 18232-5 (2012) aufgeführt. Für den zeitabhängigen Brandverlauf existieren Bemessungsverfahren (VDI 6019-1, 2006, VDI 6019-2, 2009). Bei komplexen Raumgeometrien oder Temperaturverhältnissen werden auch Methoden auf der Basis von CFD-Modellen herangezogen, um die Rauch- und Wärmeabzugsanlage zu bemessen (vgl. [17]).

Fazit und Ausblick

Jede Anlagentechnik für sich hat sich in den letzten Jahren weiterentwickelt. Systeme des anlagentechnischen Brandschutzes weisen heutzutage eine hohe Zuverlässigkeit (beziehungsweise Verfügbarkeit) auf und sind wirksam. Dies betrifft vor allem Anlagen, die hohe Qualitätsstandards hinsichtlich der verbauten Produkte und den Dienstleistungen über die Planung, die Errichtung, den Betrieb und die Instandhaltung erfüllen. Normenkonforme Anlagen haben eine hohe Wirksamkeit und reduzieren Brandschäden deutlich [1].

Die anlagentechnischen Brandschutzmaßnahmen sind mittlerweile ein Grundpfeiler des Brandschutzes. Neben den parallelen Entwicklungslinien der einzelnen Anlagentechniken wirken diese zunehmend zusammen und ermöglichen es, die Brandschutzziele effektiv, flexibel und effizient zu erreichen. Die anlagentechnischen Brandschutzmaßnahmen wirken mit den baulichen, organisatorischen und dem abwehrenden Brandschutz zusammen. Je mehr sich dieses Zusammenwirken und das Bewusstsein hierfür etabliert, desto stärker entwickelt sich ein insgesamt geschlossenes und funktionierendes Brandschutzsystem.

In Zukunft werden die Ingenieurmethoden des Brandschutzes, besonders bei komplexen bzw. anspruchsvollen Gebäuden, eine immer größere Rolle spielen und dabei helfen, intelligente und wirtschaftliche Brandschutzlösungen zu finden. Auch hier wird die Anlagentechnik ein wichtiger Bestandteil einer umfassenden Brandschutzlösung sein. Die Anwendung der Ingenieurmethoden unter Einbeziehung anlagentechnischer Brandschutzmaßnahmen eröffnet den Architekten neue Gestaltungsmöglichkeiten mit mehr Freiheiten in der Planung, da bisher übliche baulich-materielle Brandschutzmaßnahmen entfallen können.

Über Forschungsaktivitäten im Zusammenhang mit der Anlagentechnik ist auch in Zukunft mit Weiterentwicklungen und wichtigen Impulsen für den Brandschutz zu rechnen. Auch neben den technischen Entwicklungen liefern Forschungsarbeiten im Bereich des anlagentechnischen Brandschutzes wichtige Anhaltspunkte zur Verbesserung des Brandschutzes. So wird zum Beispiel die früheste Phase von Bränden erforscht, um die Branddetektion noch zuverlässiger und schneller zu realisieren.

Es wird daran gearbeitet, die Rettung von Personen im Brandfall zu unterstützen, und über den Einsatz von rechnergestützten Brand- und Personenstromanalysen werden Wege zu sinnvollen Brandschutzlösungen gesucht und überprüft. Die High-Tech-Strategie, einschließlich der Digitalisierung und Gebäudeautomation, wird ebenso Chancen und Risiken mit sich bringen und den Brandschutz auf vielfältige Weise beeinflussen.

Literatur / Quellen

[1] vfdb TB 14/01: vfdb-Brandschadenstatistik – Untersuchung der Wirksamkeit von (anlagentechnischen) Brandschutzmaßnahmen. In: Sebastian Festag u. Ernst-Peter Döbbeling (Hrsg.): Technischer Bericht 14-01, Münster: Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes e. V., 2020

[2] Festag, S.; Meinert, M.: Wirksamkeit der Rauchwarnmelderpflicht. Studien-Sonderausgabe, ProSicherheit, 03/2020

[3] Schmitz, P. et al.: Brandschutzleitfaden für Gebäude des Bundes – Arbeitshilfe für den Baulichen Brandschutz für die Planung, Ausführung und Unterhaltung von Gebäuden des Bundes. Berlin: Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, 2019

[4] Greßmann, H.-J.: Abwehrender und Anlagentechnischer Brandschutz: für Architekten, Bauingenieure und Feuerwehringenieure. Tübingen: Expert-Verlag, 2017

[5] Festag, S.: Untersuchung der Wirksamkeit von anlagentechnischen Brandschutzmaßnahmen – Exemplarische Ergebnisse für einen aktuellen Überblick. In: Technische Sicherheit 8 (2018), Nr. 7/8, S. 34-40

[6] Festag, S.: Wirksamkeit anlagentechnischer Brandschutzmaßnahmen. FeuerTrutz Magazin (2020), Nr. 5, S. 6-10

[7] Staimer, A.; Festag, S.; Münz, F.: Verfügbarkeit von Brandmeldeanlagen. Wie sicher sind Brandmeldeanlagen? Technischer Bericht, ZVEI-Merkblatt 33009:2012-08, Frankfurt am Main: Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie, 08/2012

[8] Festag, S.; Lipsch, C.: Empirische Untersuchung der statistischen Verfügbarkeit von automatischen Brandmeldeanlagen. Vortrag, 5th Magdeburg Day of Fire and Explosion Safety, 25.-26.03.2019. Magdeburg: Universität Magdeburg

[9] Festag, S.; Lipsch, C.: Eine Zuverlässigkeitsanalyse von automatischen Brandmeldeanlagen. In: vfdb Zeitschrift für Forschung, Technik und Management im Brandschutz (2020), Nr. 4, S. 147-155

[10] Festag, S.; Herbster, H.: Anlagentechnische Beiträge zur Unterstützung der Evakuierung im Brandfall. In: Dietmar Hosser (Hrsg.): Braunschweiger Brandschutz-Tage 2012. 26. Fachtagung Brandschutz bei Sonderbauten (2012), Heft 218, S. 41-60

[11] Festag, S. et al.: Adaptive Fluchtweglenkung. Weiterentwicklung der technischen Gebäudeevakuierung: Von der Dynamischen zur Adaptiven Fluchtweglenkung. Technischer Bericht, ZVEI-Merkblatt 33013:2016-05, Frankfurt am Main: Zentralverband Elektrotechnik und Elektronikindustrie, 05/2016

[12] Festag, S.; Staimer, A.: Unterschiedliches Verhalten gleicher Anlagentechnik: Erläuterung am Beispiel der Gegenüberstellung von deutschen und britischen automatischen Brandmeldeanlagen. In: vfdb Zeitschrift für Forschung, Technik und Management im Brandschutz (2012), Nr. 3, S. 128-134

[13] Stahl, P.: Fire detection and fire suppression – An European view on current market developments. 16th International Conference on Automatic Fire Detection, 12.-14. September 2017, Maryland, USA

[14] Festag, S.: False Alarm ratio of Fire Detection and Fire Alarm Systems in Germany – A meta Analysis. Fire Safety Journal (2016), Nr. 79, S. 119-126. doi:10.1016/j.resaf.2015.11.010

[15] Festag, S. et al.: False Alarm Study: False Alarm Data Collection and Analysis from Fire Detection and Fire Alarm Systems in Selected European Countries. Berlin: Erich Schmidt Verlag, 2018

[16] Festag, S.; Herbster, H.: Stichwort Branderkennung. Lexikonbeitrag Haufe Arbeitsschutz Office Professional, 06/2014

[17] vfdb TB 04/01: Leitfaden Ingenieurmethoden des Brandschutzes. In: Dietmar Hosser (Hrsg.): Technischer Bericht 04-01, Altenberge; Braunschweig: vfdb – Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes e. V., 2013

[18] vfdb TB 04/01: Leitfaden Ingenieurmethoden des Brandschutzes. In: Jochen Zehfuß (Hrsg.): Technischer Bericht 04-01, Münster: vfdb – Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes e. V., 2020

[19] VdS 2893: Erhaltung der Betriebsbereitschaft von Feuerlöschanlagen mit gasförmigen Löschmitteln. Merkblatt zur Schadenverhütung. Köln: VdS-Verlag, 2006

[20] VDI 6019-2: Ingenieurverfahren zur Bemessung der Rauchableitung aus Gebäuden – Ingenieurmethoden. VDI-Richtlinie, Verband Deutscher Ingenieure e. V., 2009

zuletzt editiert am 23.11.2021