Brand in einem Gebäude. Flammen schlagen hoch aus dem Dachstuhl.
Der Fachbereich "Rohstoffe und chemische Industrie" der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) hat die neue DGUV Information 213-106 "Explosionsschutzdokument" veröffentlicht. (Quelle: Free-Photos auf Pixabay)

Planung | Ausführung

24. January 2022 | Teilen auf:

Explosionsschutzdokumente

Erstellung und Inhalte nach DGUV Information 213-106

Im Explosionsschutzdokument werden systematisch Gefährdungen durch explosionsfähige Atmosphären ermittelt und Maßnahmen für einen sicheren Betrieb in explosionsgefährdeten Bereichen dokumentiert. Es dient der Dokumentation der räumlichen Einteilung des Arbeitsbereiches in Zonen, in denen Zündquellen zu vermeiden sind, sowie notwendiger Schutzmaßnahmen. Der Fachbereich "Rohstoffe und chemische Industrie" der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) hat hierzu im Juni 2021 die DGUV Information 213-106 "Explosionsschutzdokument" veröffentlicht.

Von Lars Oliver Laschinsky. Brand- und Explosionsschutz sind physikalisch-chemisch eng miteinander verbundene Themenfelder. Explosionsgefährdungen können in allen Bereichen auftreten, in denen brennbare Stoffe z.B. bei der Gewinnung, Herstellung, Lagerung und Fortleitung sowie bei Verarbeiten, Umfüllen und Umschlagen von brennbaren Stoffen eine explosionsfähige Atmosphäre bilden können. Solche Stoffe können brennbare Gase (z.B. Flüssiggas, Erdgas), brennbare Flüssigkeiten (z.B. Lösemittel, Treibstoffe) und Stäube brennbarer Feststoffe (z.B. Holz, Nahrungsmittel, Metalle, Kunststoffe) sein.

Notwendigkeit eines Explosionsschutzdokumentes

Kann die Bildung gefährlicher explosionsfähiger Atmosphären nicht sicher verhindert werden, müssen Explosionsgefahren beurteilt und entsprechende Schutzmaßnahmen bestimmt werden. Die Gefährdungen durch gefährliche explosionsfähige Gemische sind innerhalb der Gefährdungsbeurteilung nach § 6 Abs. 9 der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) in einem Explosionsschutzdokument besonders auszuweisen.

Die Notwendigkeit eines Explosionsschutzdokumentes wird in Abschnitt 5.1 der DGUV Information 213-106 "Explosionsschutzdokument" näher beschrieben.

Fachkundige Durchführung der Gefährdungsbeurteilung

Sowohl die Beurteilung von Gefährdungen durch explosionsfähige Gemische als auch die Festlegung von geeigneten Schutzmaßnahmen muss von fachkundigen Personen (§ 2 Abs. 16 und § 6 Abs. 11 GefStoffV) vorgenommen werden. Für die Erstellung des Explosionsschutzdokumentes kann eine Person als fachkundig angesehen werden, die die erforderlichen Kenntnisse der physikalischen Grundlagen, Anlagen, betrieblichen Prozesse, der gesetzlichen Regelungen und des Standes der Technik im Bereich des Brand- und Explosionsschutzes hat. Ist eine solche Qualifikation im Betrieb nicht vorhanden, muss externe, fachkundige Unterstützung hinzugezogen werden.

Die DGUV Information 213-106 soll Unternehmer, verantwortliche Beschäftigte, Fachkräfte für Arbeitssicherheit sowie Betriebs- und Personalräte von Betrieben, in denen explosionsfähige Gemische auftreten können, unterstützen und ist eine Hilfe für die Erstellung und Strukturierung eines Explosionsschutzdokumentes.

DGUV Information 213-106 "Explosionsschutzdokument"

Zur Unterstützung bei der Erstellung des Explosionsschutzdokumentes enthält die DGUV Information 213-106 „Explosionsschutzdokument“

  • Hinweise auf rechtliche Vorgaben,
  • eine Erläuterung der Voraussetzungen für eine Explosion,
  • eine Erläuterung der Begriffe,
  • den Vorschlag einer Gliederung des Explosionsschutzdokumentes,
  • eine Nennung der notwendigen Inhalte eines Explosionsschutzdokumentes, insbesondere der Gefährdungsbeurteilung und des Explosionsschutzkonzeptes,
  • Beispiele für Explosionsschutzdokumente in Schriftform oder im Internet.

Darstellung des Explosionsschutzkonzeptes

Das Explosionsschutzkonzept ist die Gesamtheit aller technischen und organisatorischen Maßnahmen zur Vermeidung von Explosionen oder ihrer schädlichen Auswirkungen, die auf Basis der Gefährdungsbeurteilung getroffen wurden. Ziel der Explosionsschutzmaßnahmen ist die Vermeidung der Gefährdung durch gefährliche explosionsfähige Gemische. Für alle auftretenden Explosionsgefährdungen müssen die erforderlichen Schutzmaßnahmen mit einer ausreichend detaillierten Beschreibung im Explosionsschutzdokument enthalten sein.

Inhalte eines Explosionsschutzdokumentes

Das Explosionsschutzdokument soll aufzeigen, dass mögliche Explosionsgefahren ermittelt und bewertet wurden. Es muss an die jeweiligen betrieblichen Verhältnisse angepasst sein, sollte möglichst gut strukturiert und lesbar sein und hinsichtlich der Detailtiefe ein allgemeines Verständnis ermöglichen.

Die in der DGUV Information 213-106 „Explosionsschutzdokument“ gegebenen Hinweise zur Gefährdungsbeurteilung und zu Schutzmaßnahmen dienen dem Verständnis, welche Inhalte im Explosionsschutzdokument erforderlich sein können.

Das Explosionsschutzdokument muss in Bezug auf die Ableitung und die Beschreibung des Explosionsschutzkonzeptes nachvollziehbar sein. Daraus muss insbesondere hervorgehen,

1. dass die Explosionsgefährdungen ermittelt und einer Bewertung unterzogen worden sind,

2. dass angemessene Vorkehrungen getroffen werden, um die Ziele des Explosionsschutzes zu erreichen (Darlegung eines Explosionsschutzkonzeptes),

3. ob und welche Bereiche entsprechend Anhang I Nummer 1.7 der GefStoffV in Explosionsschutz-Zonen eingeteilt wurden,

4. für welche Bereiche Explosionsschutzmaßnahmen nach § 11 und Anhang I Nummer 1 der GefStoffV getroffen wurden,

5. wie die Koordination verschiedener Firmen nach § 15 GefStoffV umgesetzt wird sowie

6. welche regelmäßigen Überprüfungen der Funktion und der Wirksamkeit von technischen Schutzmaßnahmen nach § 7 Absatz 7 GefStoffV und welche Prüfungen zum Explosionsschutz nach Anhang 2 Abschnitt 3 der BetrSichV durchzuführen sind.

Ex-Zonenplan

Bereiche, in denen eine gefährliche explosionsfähige Atmosphäre auftreten kann, werden nach der Wahrscheinlichkeit sowie nach Häufigkeit und Dauer des Auftretens von gefährlicher explosionsfähiger Atmosphäre in Explosionsschutz-Zonen eingestuft. Diese Angaben können als Zonenplan innerhalb des Explosionsschutzdokumentes dokumentiert werden.

Überprüfung und Aktualisierung

Die Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen, die zur Vermeidung der Gefährdungen durch gefährliche explosionsfähige Gemische erforderlich sind, ist auf geeignete Weise sicherzustellen.

Auch wenn sich der Stand der Technik weiterentwickelt, sind die Schutzmaßnahmen, soweit erforderlich, entsprechend anzupassen. Daher muss auch das Explosionsschutzdokument regelmäßig auf Aktualität überprüft und anlassbezogen überarbeitet werden. Die Prüfung des Explosionsschutzdokumentes ist Bestandteil der Prüfung vor der erstmaligen Inbetriebnahme und vor der Wiederinbetriebnahme einer explosionsgefährdeten Anlage. Es wird auch bei der wiederkehrenden, mindestens alle 6 Jahre durchzuführenden Prüfung von explosionsgefährdeten Anlagen als Grundlage herangezogen (Ordnungsprüfung).

Gegenstand der Prüfung ist dabei insbesondere die vollständige Darlegung des Explosionsschutzkonzeptes im Explosionsschutzdokument.

Die DGUV Information 213-106 "Explosionsschutzdokument" steht auf der Webseite der DGUV zum kostenlosen Download unter publikationen.dguv.de zur Verfügung oder ist als gedruckte Version bestellbar. Weiterhin wird auf eine Liste unter www.exinfo.de zu öffentlich zugänglichen Muster-Explosionsschutzdokumenten bzw. Anleitungen für die Erstellung von Explosionsschutzdokumenten verwiesen.

Der Artikel ist in Ausgabe 6.2021 des FeuerTrutz Magazins (Dezember 2021) erschienen.
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zuletzt editiert am 26.01.2022