Checkliste auf einem Blatt Papier
Der Muster-Prüfbericht der BBIK soll Prüfsachverständigen bei der Dokumentation ihrer Prüfergebnisse eine Hilfestellung bieten, auf der aufbauend der Prüfbericht erstellt wird. (Quelle: Philip Neumann auf Pixabay)

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05. July 2022 | Teilen auf:

Interview: "Ein Grundgerüst für den Prüfbericht"

Die Brandenburgische Ingenieurkammer (BBIK) hat im letzten Jahr im Bereich des Prüfsachverständigenwesens für Aufsehen gesorgt. Im Rahmen des jährlichen und über die Landesgrenzen hinaus bekannten Prüfsachverständigentages stellte Dipl.-Ing. (FH) Michael Mattejat den ersten Muster-Prüfbericht für Prüfungen der sicherheitstechnischen Gebäudeausrüstung nach Baurecht der Brandenburgischen Ingenieurkammer vor.
Zuvor hat ein Expertenteam monatelang Wissen und Zeit investiert, um die Inhalte zusammenzutragen, aufzuarbeiten und kompakt zu veranschaulichen. Die Redaktion sprach darüber mit dem Projektverantwortlichen Maik Schneider.

FeuerTrutz Magazin: Wie kam es zur Entwicklung des Muster-Prüfberichtes durch die Brandenburgische Ingenieurkammer? Welche Auslöser gibt es für die Publikation?

Maik Schneider: Die BBIK steht durch den Ausschuss für Prüfsachverständigenwesen und den Prüfungsausschuss in intensivem Austausch mit beruflich aktiven Prüfsachverständigen im ganzen Land. Der Prüfsachverständigentag ist ein Beispiel dafür, denn an diesem Tag versammeln sich nicht nur die Prüfsachverständigen aus vielen Teilen der Republik, sondern auch die Vertreter von obersten Bauaufsichten mehrerer Bundesländer. Aufgrund des großen Interesses an diesem aufgeschlossenen Austausch, den gestellten Fragen und den geteilten Erfahrungsberichten der Prüfsachverständigen wurde uns schnell klar, dass es an einer einheitlichen, fachlichen und strukturierten Arbeitshilfe für die Dokumentation im Prüfprozess fehlt, die die wichtige Arbeit aller Prüfsachverständigen unterstützen kann.

Die Tätigkeit der Prüfsachverständigen ist der abschließende Teil im Bauprozess mit der Beurteilung der Wirksamkeit und Betriebssicherheit für die sicherheitstechnische Gebäudeausrüstung. Was oft nicht bekannt ist: Die Prüfsachverständigen stehen in mehrfacher Hinsicht persönlich in der Verantwortung. Nur durch ordnungsgemäßes und gewissenhaftes Arbeiten können die Prüfsachverständigen ihren entscheidenden Beitrag leisten, damit bei einem nie ganz auszuschließenden Eintritt eines Brandes kein Menschenleben zu Schaden kommt.

Damit ist die Dokumentation der Ergebnisse der Sachverständigenprüfungen ein wichtiges Instrument im Prüfprozess und spielt eine entscheidende Rolle für alle Beteiligten. In Gesprächen wurde oft berichtet, wie sehr sich die Dokumentationen in Inhalt und Form unterscheiden, obwohl sie die gleichen Grundlagen haben. Die BBIK hat sich dann entschlossen, einen Muster-Prüfbericht zu erstellen. Dieser gibt Prüfsachverständigen bei der Dokumentation ihrer Prüfergebnisse eine Hilfestellung, eine Art Gerüst, auf dem aufbauend der Prüfbericht erstellt und durch anlagenspezifische Zusätze erweitert wird.

Wer hat an der Entwicklung mitgewirkt?

Unter dem Dach der BBIK ist eine Arbeitsgruppe gegründet worden, die durch mich koordiniert wurde. Zum Autorenteam gehören Dipl.-Ing. Michael Schulz und Dipl.-Ing. (FH) Michael Mattejat. Beide sind Prüfsachverständige und ehrenamtlich in der Kammer sehr engagiert.

Auf welcher Rechtsgrundlage wurde der Muster-Prüfbericht erstellt?

Da wir als Ingenieurkammer in erster Linie die Interessen von Brandenburg vertreten und zuständige Stelle für die Anerkennung von Prüfsachverständigen des Landes Brandenburg sind, wurden natürlich die hier geltenden Prüfverordnungen herangezogen. Eine explizite Rechtsgrundlage für die Erstellung eines Muster-Prüfberichtes gibt es für das Prüfsachverständigenwesen nicht.

Prüfsachverständige für sicherheitstechnische Gebäudeausrüstung prüfen und bescheinigen in Form eines Prüfberichtes die Übereinstimmung der sicherheitstechnischen Gebäudeausrüstung mit den öffentlich-rechtlichen Anforderungen im Sinne der §§ 1 und 2 der Brandenburgischen Sicherheitstechnischen Gebäudeausrüstungs-Prüfverordnung – kurz BbgSGPrüfV. Sie enthält Prüfgrundsätze, die als verpflichtend gelten. Diese Grundsätze sind bereits seit 2007 ein wichtiger Bestandteil, denn hier sind Prüfungsinhalte, Prüftätigkeiten und auch wesentliche Bestandteile eines Prüfberichtes aufgelistet.

Quelle: BBIK

Würden Sie den Empfehlungscharakter des Berichtes bitte erläutern?

Der Muster-Prüfbericht übersetzt erstmalig die baurechtliche Fachsprache einer Landesprüfverordnung und deren Prüfgrundsätze in eine technisch anwendbare Ingenieursprache für Nichtjuristen.

Mit der einem Formular nachempfundenen Strukturierung haben wir ein Fundament gelegt, damit Notwendiges und Wichtiges dokumentiert wird, leicht zu erfassen ist und das Dokument doch beliebig ergänzt werden kann. Die gewählte optische Form mit Nutzung von Tabellen ist dabei als Empfehlung anzusehen. Die vorgeschlagene strukturierte Darstellung der Mindestinhalte erleichtert das Auffinden wichtiger Informationen und deren zusammenhängende Erfassung erheblich.

Unsere Erarbeitung dieses Muster-Prüfberichts ist nicht gedacht als eine allumfassende oder abschließende Darstellung. Der Muster-Prüfbericht ist nicht verbindlich anzuwenden. Er stellt vielmehr ein Grundgerüst mit den Vorgaben aus den für die Prüfung einschlägigen Verordnungen bereit.

An welchen Stellen kann der Muster-Prüfbericht besonders unterstützen, was ist sein Ziel und wie ist er in der Praxis anzuwenden?

Das erklärte Ziel war es, die Mindestanforderungen an einen Prüfbericht auf Grundlage der Brandenburgischen Sicherheitstechnischen Gebäudeausrüstungs-Prüfverordnung zusammenfassend und anschaulich darzustellen, also eine Arbeitshilfe und gleichzeitig Wissensvermittlung.

Besonders hervorzuheben, weil in dieser Form einmalig, sind die in Abschnitt 2 des Muster-Prüfberichtes enthaltenen Erläuterungen zu Fachbegriffen des Prüfberichtes, hier geben wir auch hilfreiche Antworten auf Standardfragen: Was ist ein Mangel? Wie erklärt sich „wirksam und betriebssicher“? Der Muster-Prüfbericht soll ein Dokument für die Ausbildung von Prüfsachverständigen sein, aber auch Unterstützung für die bereits anerkannten Prüfsachverständigen bieten. [...]

Weiterlesen? Das vollständige Interview ist in Ausgabe 3.2022 des FeuerTrutz Magazins (Juni 2022) erschienen.

Gesprächspartner Maik Schneider
Prüfsachverständigenwesen und Geschäftsstelle des Prüfungsausschusses, Projektverantwortlicher Muster-Prüfbericht der Brandenburgischen Ingenieurkammer

Muster-Prüfbericht des BBIK

Das Dokument besteht aus zwei Abschnitten. In Abschnitt 1 ist der Muster-Prüfbericht zu finden. Abschnitt 2 enthält Informationen zur Entstehung sowie Beschreibungen zu verwendeten wichtigen Begriffen bis hin zu Anwendungshilfen des Muster-Prüfberichtes.
Der Muster-Prüfbericht kann auf der Webseite des BBIK kostenfrei als pdf heruntergeladen werden.

zuletzt editiert am 12.07.2022