Colocation-Rechenzentrum von Telehouse in Frankfurt Quelle: Telehouse Deutschland GmbH
Abb. 1: Das neue Colocation-Rechenzentrum von Telehouse bietet auf 2.200 Quadratmetern und drei Etagen Platz für zahlreiche Server-Racks. Quelle: Telehouse Deutschland GmbH

Planung | Ausführung

18. August 2021 | Teilen auf:

Projektbeispiel: Brandschutz im Colocation-Rechenzentrum

Brandfrüherkennung und Schutzmaßnahmen im Brandfall 

Die Telehouse Deutschland GmbH, Vermieter von Rechenzentrumsflächen, hat 2020 auf dem firmeneigenen Campus in Frankfurt a.M. ein neues Hochleistungsrechenzentrum errichtet. Die Brandschutzlösung lieferte die Wagner Group. Die Anlagentechnik verhindert u.a. ein Stromlosschalten im Brandfall.

Von Katharina Bühmann. Ob internationaler Cloud-Anbieter, E-Commerce-Riese oder Industrieunternehmen: Viele Firmen mieten zum Betrieb ihrer Informationstechnik Flächen in sogenannten Colocation-Rechenzentren an, die von externen Dienstleistern unterhalten werden. Aufgrund des hohen Bedarfs hat der Betreiber Telehouse Deutschland GmbH Mitte 2020 bereits sein fünftes Colocation-Rechenzentrum mit einer Fläche 2.200 m2 auf seinem Campus in Frankfurt a.M. eröffnet. Die Schutzziele für das Rechenzentrum, das sich über drei Etagen erstreckt: kein Stromlosschalten im Alarmfall, kein Risiko möglicher Rückzündungen und demnach keine Ausfallzeiten beim Zugriff auf Kundendaten.

Abb. 2: Hochsensible Ansaugrauchmelder überprüfen den Schutzbereich auf Pyrolysepartikel. Quelle: WAGNER Group GmbH

Die dauerhafte Verfügbarkeit von Daten hat für den Rechenzentrumsbetreiber und seine Kunden höchste Priorität. Dazu gehört auch, dass die Betriebsbereitschaft der Kundenserver rund um die Uhr gewährleistet und die Technik vor jeglichem Schaden geschützt ist. Das gilt insbesondere im Brandfall. Denn das Brandrisiko ist in Rechenzentren deutlich erhöht. Grund ist die hohe Energiedichte der verbauten Anlagen. Technische Defekte in den elektrischen bzw. elektronischen Komponenten und Bauteilen können zu Kabelkurzschlüssen und Schwelbränden führen. Letztere bleiben häufig unentdeckt, was u.a. an der hohen Luftumwälzung der klimatisierten Raumluft liegt.

Abb. 3: Das Zweistufige Konzept von Wagner kombiniert Brandmeldetechnik, Brandbekämpfung und Sauerstoffreduzierung. Quelle: WAGNER Group GmbH

Brandschutzlösung verhindert ein Stromlosschalten

Im Technikbereich des neuen Colocation-Rechenzentrums kommt das sogenannte Zweistufige Konzept von Wagner zum Einsatz (siehe Abb. 3 und 4). Detektieren die hochsensiblen Titanus-Ansaugrauchmelder einen Brand im frühesten Entstehungsstadium, wird zunächst das Sauerstoffniveau durch das Einleiten von Stickstoff aus bevorrateten Druckmittelbehältern von Normalniveau (20,9 Vol.-%) auf 17 Vol.-% Sauerstoff abgesenkt. Damit wird ein deutlich reduziertes Brandverhalten erreicht, sodass der Brand im Idealfall bereits erlischt. Danach hält das Sauerstoffreduzierungssystem OxyReduct mit vor Ort generiertem Stickstoff die abgesenkte Sauerstoffkonzentration beliebig lange auf dem konstanten Niveau. So bleibt der Schutzbereich frei begehbar, und Angestellte können nach der Brandursache suchen und diese beheben. Detektieren die Ansaugrauchmelder weiterhin ein Brandgeschehen, wird die Sauerstoffkonzentration durch erneutes Einleiten von Stickstoff aus Druckmittelbehältern auf ein tieferes Sauerstoffniveau abgesenkt, das deutlich unter der Entzündungsgrenze der im Rechenzentrum vorherrschenden Materialien liegt. Diese zweite Sicherheitsstufe kann durch das erneute Zuschalten des Stickstofferzeugers wiederum beliebig lange gehalten werden und soll eine Brandausbreitung verhindern. Autorisiertes Personal kann den Schutzbereich weiter betreten, um Maßnahmen zu ergreifen.

Abb. 4: Verbindung aus Gaslöschtechnik und Sauerstoffreduzierung: die Zweistufige Schnellabsenkung Quelle: WAGNER Group GmbH

Permanente Betriebsbereitschaft

Ein weiterer Vorteil der verbauten Brandschutzlösung ist das (Wieder-)Befüllen der Gaslöschbehälter mit Stickstoff vor Ort.

Stickstofferzeuger gewinnen den dafür benötigten Stickstoff in höchster Reinheit aus der Umgebungsluft. So müssen die vielen Löschmittelbehälter nach Entleerung nicht ausgebaut und zu einem Befüllwerk gefahren werden, was eine permanent hohe Betriebsbereitschaft sicherstellt.

Der Artikel ist in Ausgabe 3.2021 des FeuerTrutz Magazins (Juni 2021) erschienen.
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