Die Integration des vorbeugenden Brandschutzes in BIM-Projekten schreitet voran. Unser Gespräch mit Janna Walter zeigt, wo die Chancen liegen und an welchen Stellen noch Handlungsbedarf besteht, um insbesondere die Akzeptanz von BIM im Brandschutz zu erhöhen. Vor allem ist es wichtig, eine Standardisierung einzuführen.
Unsere Interviewpartnerin Janna Walter, M.Eng., ist als Sachverständige für den vorbeugenden Brandschutz bei hhpberlin tätig. Sie steht Kunden während der Planung sowie der Bauausführung für eine fachgerechte Umsetzung aller Brandschutzmaßnahmen beratend zur Seite. Darüber hinaus treibt sie das Thema Building Information Modelling (BIM) für den Brandschutz bei hhpberlin voran und ist hierfür in verschiedenen Gremien tätig. Weiterhin ist sie Fachgruppensprecherin beim buildingSMART e.V. für die Fachgruppe Brandschutz. Sie ist Referentin eines Intensivseminars zu BIM im Brandschutz am 4. Februar 2026 – das haben wir zum Anlass genommen, mit ihr über dieses Thema zu sprechen.
Frau Walter, Sie sind Sachverständige für vorbeugenden Brandschutz bei der hhpberlin Ingenieure für Brandschutz GmbH und einer der Sprecherin der Fachgruppe Brandschutz bei buildingSMART. Wie schätzen Sie derzeit die Akzeptanz von BIM im Brandschutz ein?
Janna Walter: Die Akzeptanz von BIM im Brandschutz ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen, bleibt jedoch sehr heterogen. Bei größeren Projekten wird inzwischen bei Ausschreibungen teilweise gefordert, dass auch der Brandschutz im Bereich BIM angeboten wird. Oft läuft der Brandschutz aber nur mit und wir schauen prüfend über die Architekturmodelle drüber. Wir arbeiten jedoch daran, dass unsere Beteiligung im Prozess weiter stetig wächst.
Mit dem ViB (Anm. der Redaktion: dem Verein zur Förderung von Ingenieurmethoden im Brandschutz e. V.) haben wir nun auch den ersten Eigenschaftskatalog „VIB_FireSafetyRequirement“ mit brandschutzrelevanten Eigenschaften erarbeitet und veröffentlicht, die die DACH-Region betreffen. Ziel ist es, damit einen Standardisierungs-ansatz zu setzen und eine einheitliche Grundlage für die BIM-Anwendung im Brandschutz zu schaffen. Von einer flächendeckenden Standardisierung kann aktuell jedoch noch nicht gesprochen werden.
Können Sie diese „Eigenschaften“ genauer erläutern?
Dabei handelt es sich um brandschutzrelevante Eigenschaften, die Bauteilen im Modell zugeordnet werden können. Der Eigenschaftskatalog definiert, welche Informationen aus brandschutzfachlicher Sicht für eine Genehmigung relevant sind und wie diese einheitlich beschrieben werden sollen. Ziel ist es, eine gemeinsame Sprache für Planer, Bauherren und Behörden zu schaffen.
Sie erwähnten, dass die Akzeptanz von BIM im Brandschutz noch etwas verhalten ist. Gibt es aus Ihrer Sicht Faktoren, die dies bedingen?
Aus meiner Sicht ist einer der wichtigsten Punkte die fehlende Standardisierung, speziell im Brandschutz. Brandschutz wird oft als Randthema gesehen, dass die ganze Zeit irgendwie mitläuft, statt integraler Bestandteil des Prozesses zu sein. Es fehlen zudem klare Leistungsbilder: Welche Leistungen sollen vom Brandschutz in welcher Leistungsphase erbracht werden? Auch stellt sich die Frage: Wie soll ein Bauwerksinformationsmodell im Bereich Brandschutz aussehen? Wir Brandschutzplaner arbeiten auf Basis von Architektur-modellen und ergänzen i.d.R. die brandschutzrelevanten Informationen in dessen Modell. Das macht es schwierig, Verantwortlichkeiten klar zu definieren, gerade, wenn sich das Modell im Laufe des Projekts ständig ändert.
Online-Seminar „BIM im Brandschutz“ am 4. Februar 2026
Janna Walter zeigt in diesem Intensivseminar, wo und wie BIM im Brandschutz angewendet werden kann und wo es noch bestimmter Workarounds bedarf.
Dabei geht es um die Standardisierung im Kontext von BIM und Brandschutz und die Rolle von Brandschützer:innen im BIM-Prozess. Außerdem wird die Abbildung des analogen Brandschutznachweises in einer BIM-Umgebung bzw. in einem BIM-Modell besprochen sowie relevante Software-Themen besprochen.
Wenn die Integration tatsächlich weiter voranschreitet, was ist die Zielvorstellung, was BIM bereits leisten kann und in Zukunft noch leisten wird?
BIM ermöglicht uns bereits eine ganze Menge. Speziell im Brandschutz können wir schon alle allgemeinen Vorteile nutzen. Das heißt, wir können beispielsweise unsere Brandschutzanforderungen frühzeitig in die Planung bringen und an einem Modell darstellen. Sie sind dann sichtbar und können überprüft werden. Wir können bei komplexen Gebäuden genauer erkennen, was der Architekt in der Planung meint, und das auch schon in den frühen Leistungsphasen. Wir können rechtzeitig auf Dinge wie Rettungswege und die Größe von Nutzungseinheiten hinweisen. Genauso profitieren auch die Architekten davon. Sie sehen frühzeitig, wo welche Brandschutzanforderungen bestehen. Somit können Kollisionen frühzeitig entgegengewirkt werden.
Dank des Modells werden auch Rückfragen etwas reduziert. Langfristig können alle Planer davon profitieren, vor allem in Sachen Planungssicherheit und Transparenz, weil die Brandschutzanforderungen frühzeitig im Modell sind und konsequent dokumentiert werden. Spätere Umplanungen und Nachträge in der Bauausführung können somit reduziert werden.
Ein weiterer Punkt ist, dass das Brandschutzkonzept gegenüber Bauherren und Genehmigungsbehörden besser und anschaulich dargestellt werden kann. Gerade mit Visualisierungen wird das Verständnis oft erhöht. Ich sehe es auch als eine Art Qualitätsmerkmal, wenn Brandschutzanforderungen auf diese Weise verdeutlicht werden können.
Wo sehen Sie die Unterschiede in der derzeitigen Anwendung bei verschiedenen Arten von Projekten und auch verschiedenen Größen von Bauvorhaben?
Man muss zuerst einmal unterscheiden zwischen großen und kleineren Bauvorhaben. Bei kleineren Bauvorhaben kann ich mir sehr gut vorstellen, dass der Architekt in dessen Modell die Brandschutzanforderungen berücksichtigt werden und kein extra BIM-Modell für den Brandschutz erforderlich ist. Bei größeren und oder auch komplexeren Projekten mit beispielweise einer verschachtelten Geometrie sehe ich die Anforderung an ein separates Brandschutzmodell und auch ein großes Potenzial. Es geht um Auswirkungen oder Kollisionen, die bei der späteren Ausführung entstehen, die schon in den frühen Phasen sichtbar gemacht werden können.
Ich selbst bin auch bei der Ausführung mit dabei und sehe oft Fehler, bei denen man sich fragt: „Warum haben wir das denn nicht früher gesehen?“ Dabei kann BIM helfen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es immer einer projektspezifischen Abwägung bedarf, um zu entscheiden, in welcher Tiefe der Brandschutz in ein BIM-Modell integriert werden soll.
Wenn wir auf die Tätigkeit des Brandschutzplaners schauen, welche Aufgaben sind konkret in einem BIM-Projekt konkret zu leisten?
Grundsätzlich sind es dieselben Aufgaben wie bei der klassischen Erarbeitung eines Brandschutznachweises bzw. -konzept: Wir definieren die Brandschutzanforderungen an den Bauteilen, bringen die relevanten Informationen ins Modell ein und stellen es den Projektbeteiligten zur Verfügung. Da es noch keine verbindlichen Leistungsbilder gibt, hängt der konkrete Umfang stark vom Projekt ab.
Wie erleben Sie die Beschäftigung mit dem Thema unter Kollegen?
Es gibt Brandschutz-Kollegen, die sich schon damit befassen und bei denen man die Begeisterung sieht. Aber da es noch nicht verpflichtend gefordert wird, warten viele noch ab, ob BIM wirklich gebraucht wird und ob man sich schon damit auseinandersetzen muss. Aus meiner Sicht fehlt es an der einen oder anderen Stelle an Schulungen und Weiterbildungen. D.h. ein Verständnis dafür, was überhaupt ein BIM-Modell ist, was Eigenschaften sind, wie ist ein Modell aufgebaut usw. Aber ich denke, insgesamt sind wir auf einem guten Weg.
Wie viel Klarheit und Einheitlichkeit herrschen derzeit zum einen beim Thema Datenstruktur sowie beim Thema Prozesse und Rollenverständnisse im Projektteam?
Es gibt sowohl in den Datenstrukturen als auch in den Prozessen und insbesondere bei den Rollenverständnissen im Bereich BIM und Brandschutz noch sehr viel Entwicklungsbedarf. So ist beispielsweise noch nicht klar definiert, welche Aufgaben der Architekt und welche der Brandschutzplaner übernimmt. Die Prozesse sind noch in der Entwicklung und werden derzeit definiert. Neben den allgemeinen Richtlinien zum Thema BIM, die der VDI bereits veröffentlicht hat, setzen sich auch verschiedene andere Verbände dafür ein, dass der Brandschutz in die BIM-Methode eingebracht und akzeptiert wird. Die angesprochene Veröffentlichung des ViB zum Eigenschaftskatalog ist ein wichtiger erster Schritt.
Welche Rolle spielt die Fachgruppe Brandschutz bei buildingSMART in diesem Kontext?
buildingSMART ist ein ganz wichtiger Treiber, wenn es um Standardisierung geht. Die Fachgruppe Brandschutz arbeitet eng mit dem ViB zusammen. Ich bin in beiden Fachgruppen tätig – bei buidlingSMART und bei ViB. Der veröffentlichte Eigenschaften-katalog resultiert aus der Zusammenarbeit und der Expertise aus beiden Gruppen. Aktuell beschäftigen sich die Fachgruppen mit den Anforderungen für die Baugenehmigung; aber es gibt mittlerweile eine Untergruppe, die sich das Thema der Abschottungen anschaut. Die Gruppe besteht aus einer Vielzahl namhafter Abschottungsunternehmen. Ziel ist es, eine Handreichung zu diesem Thema für Fachplaner zu erstellen und ihnen mitzugeben, also etwas, das man z.B. einem TGA-Planer mitgibt.
Welche Fähigkeiten und Kompetenzen sollte eine Brandschutzplanerin oder ein Brandschutzplaner mitbringen in Sachen BIM?
Zunächst einmal die klassischen Brandschutzexpertise als Grundlage sowie zusätzlich ein grundlegendes Verständnis der BIM-Methodik: Was will man überhaupt mit der Methodik erreichen? Dazu gehören auch Kenntnisse dazu, wie ein Modell, die Struktur aufgebaut ist und wo die eigenen Informationen hingehören, damit sie für jeden nachvollziehbar sind. Auch das Wissen welche Austauschformate zur Verfügung stehen, um die, Leistungen bzw. Informationen dem Architekten bzw. den Projektbeteiligten zuliefern, hängen damit zusammen. Für genauso wichtig halte ich zudem die kommunikativen Fähigkeiten, denn der Bedarf an Abstimmung steigt im Kontext von BIM.
Am 4. Februar halten Sie ein Intensivseminar zu diesem Thema. Was können Teilnehmende erwarten?
Erst einmal wie bereits erwähnt, ein grundlegendes BIM-Verständnis, also eine Art „Warm-up“, um alle abzuholen. Außerdem sprechen wir über die erwähnte Standardisierung sowie den Status der Normenlage. Zusätzlich wird es auch um eben jenes Rollenverständnis gehen, also was können wir speziell liefern und was können andere Fachplaner liefern. Darüber hinaus werden wir alles auch an einem Praxisbeispiel durchspielen. Ziel ist es, den Teilnehmenden in der kurzen Zeit des Seminars ein großes Wissenspacket zu vermitteln, das einen umfassenden Überblick über BIM im Brandschutz bietet.
Vielen Dank für das Gespräch!
