Ein Ingenieur in Schutzkleidung steht auf einer Plattform und bedient ein Tablet, während er eine Industrieanlage überwacht.
Abb. 1: Wechselwirkungen zwischen vorbeugendem und abwehrendem Brandschutz treten bei einer Werkfeuerwehr auf. (Quelle: Lülf+ Sicherheitsberatung GmbH)

Planung | Ausführung 2026-04-09T09:47:14.178Z Die Notwendigkeit einer Werkfeuerwehr

Werkfeuerwehren operieren im Spannungsfeld zwischen Sicherheitsinteressen, gesetzlichen Anforderungen und wirtschaftlichen Aspekten. Die Diskussion über ihre Notwendigkeit ist oft emotional, wobei zwischen Sicherheitsarchitektur und historischen Strukturen differenziert wird. Entscheidend sind jedoch Risiken, Genehmigungen und das Zusammenspiel von Prävention und reaktiver Notfallorganisation. Der Beitrag verdeutlicht, wie präventive und abwehrende Maßnahmen fachlich miteinander verknüpft sind und warum eine schutzzielorientierte Bedarfsplanung essenziell für fundierte Entscheidungen ist.

Die Notwendigkeit einer Werkfeuerwehr ergibt sich in Deutschland aus den Brandschutz-/Feuerwehrgesetzen der Länder. Formulierungen wie „besonders große Gefahr eines Brandes oder einer Explosion“ oder „große Anzahl gefährdeter Personen“ finden sich in nahezu allen Landesgesetzen. Diese unbestimmten Rechtsbegriffe sind gewollt offen – und verlangen im Einzelfall eine fachlich-technische Interpretation.

Rechtliche Ausgangslage: unbestimmte Begriffe prägen die Praxis

Verordnungen wie die VObFW in Nordrhein-Westfalen konkretisieren in einigen Ländern diese Begriffe, indem sie Aspekte wie den Betriebszweck, die Beschaffenheit der Betriebsräume sowie Art und Menge der verwendeten Gefahrstoffe berücksichtigen. Ergänzend wirken Vorgaben aus Baugenehmigungen, Störfallrecht (12. BImSchV), Versicherungsauflagen und branchenspezifischen Standards. Besonders deutlich ist die baurechtliche Verknüpfung in der Industriebau-Richtlinie, die gewisse bauliche Möglichkeiten nur in Verbindung mit einer Werkfeuerwehr eröffnet. Das ist dann der Fall, wenn bestimmte Schutzziele ohne „Feuerwehr in fünf Minuten“ nicht erreicht werden können.

Das bedeutet: Die Notwendigkeit einer Werkfeuerwehr entsteht nicht isoliert – sie entsteht aus einem umfassenden Blick auf Risiken, abgeleiteten Schutzzielen und baulichen bzw. organisatorischen Rahmenbedingungen.

Werkfeuerwehr als organisatorische Entscheidung – und als wirtschaftlicher Faktor

Wird eine Werkfeuerwehr notwendig, lösen sich die Herausforderungen nicht in bloße Personal- oder Fahrzeugentscheidungen auf. Eine anerkannte Werkfeuerwehr bedeutet in vielen Industriebetrieben:

  • Mindestanforderungen von sechs bis zehn Funktionen, die im Ereignisfall zuverlässig zur Verfügung stehen müssen.

Selbst bei kompakten Strukturen entstehen damit jährlich rasch Personalkosten von rund drei bis fünf Millionen Euro – noch bevor Fahrzeuge, Technik oder Feuerwachen berücksichtigt sind.

Genau deshalb ist eine strukturierte, schutzzielorientierte Bedarfsplanung unverzichtbar: Sie schafft Transparenz darüber, warum eine Werkfeuerwehr notwendig oder empfehlenswert ist und welche Dimensionierung sich dafür ergibt.

Unabhängig von den personellen, organisatorischen und räumlichen – also den wirtschaftlichen – Aspekten: eine betriebliche Feuerwehr kann zu einer Sicherheitsarchitektur führen, die anders nicht zu erreichen ist. Dabei muss die gesetzliche Notwendigkeit keine Rolle spielen. Auch intrinsisch ausgerichtete, betriebliche Interessen spielen eine wesentliche Rolle. Ein sehr schnelles und zielgerichtetes Eingreifen führt zu reduzierter Betriebsunterbrechung und erfordert Verfügbarkeit, kurze Wege und Orts- und Anlagenkenntnis. Außenwirkung, Mitarbeiterfürsorge und Versicherbarkeit sind weitere Aspekte.

Eine Mindmap, die die Rahmenbedingungen und Anforderungen im Bereich Bauordnungen und Brandschutzgesetze darstellt.
Abb. 2: Die zu berücksichtigenden Anforderungen und Rahmenbedingungen sind komplex. Betriebliche Feuerwehren werden einerseits notwendig aufgrund von Brandschutz-/Feuerwehrgesetzen, können aber auch Bestandteil von bau-/störfallrechtlichen Genehmigungen sein. (Quelle: Lülf+ Sicherheitsberatung)

Methodik: Bedarfsplanung als Kombination von Risikobewertung und Genehmigungssituation

In der Praxis ruht die Bedarfsplanung von betrieblichen Feuerwehren auf zwei Säulen:

Genehmigungssituation

Bau-, betriebs- und störfallrechtliche Genehmigungen von Gebäuden und Anlagen können Anforderungen an die Vorhaltung einer betrieblichen Feuerwehr enthalten und explizite Anforderungen definieren. Zur Durchführung wirksamer Brandbekämpfungsmaßnahmen in übergroßen Brandabschnitten, zur Einspeisung halbstationärer Löschanlagen, zur Kompensation von Abweichungen sonstiger Brandschutzauflagen usw. kann ggf. eine Werkfeuerwehr angesetzt werden.

In der Praxis zeigt sich ein unterschiedlicher Umgang der zuständigen Aufsichtsbehörden mit der Berücksichtigung von betrieblichen Feuerwehren in solchen Genehmigungen. Oft besteht die Auffassung, dass entsprechende Anforderungen direkten Einfluss auf die Notwendigkeit einer betrieblichen Feuerwehr nehmen (Werkfeuerwehr in den Genehmigungen berücksichtigt = Werkfeuerwehr ist behördlich anzuordnen). Teilweise werden die relevanten Rechtsgebiete jedoch strikt getrennt, und die Notwendigkeit einer betrieblichen Feuerwehr wird unabhängig von der Genehmigungssituation beurteilt.

Insbesondere bei historisch gewachsenen Betrieben, die seit vielen Jahrzehnten eine Werkfeuerwehr vorhalten, ist eine sehr genaue Berücksichtigung zwingend erforderlich, wenn der Bedarf einer betrieblichen Feuerwehr beurteilt werden soll oder Veränderungen an der Dimensionierung vorgenommen werden sollen.

Risikobewertung und Bemessungsszenarien

Parallel zur Untersuchung der Genehmigungssituation erfolgt eine Risikobewertung, die die betriebs-/standortspezifischen Gegebenheiten und die Relevanz für potenzielle Feuerwehreinsätze analysiert. Es können sich dabei verschiedene Blickwinkel anbieten: einerseits die gesetzliche Notwendigkeit einer Werkfeuerwehr (z. B. „besonders große Gefahr eines Brandes“), andererseits die – empfehlenswerte – freiwillige Vorhaltung einer betrieblichen Feuerwehr aus unternehmerischem Interesse.

Ein Diagramm zur Risikobewertung bei Feuerwehreinsätzen, das die verschiedenen Einflussfaktoren und Prozesse darstellt.
Abb. 3: Zusammenhänge in der Bedarfsplanung betrieblicher Feuerwehren (Quelle: Lülf+ Sicherheitsberatung)

Es werden dabei umgebungsbedingte Gefahrenquellen, werkspezifische Gefahren und betriebsbedingte Risiken untersucht. Auf der Basis der Erkenntnisse aus diesen Bewertungen werden Bemessungsszenarien abgeleitet, die den Anforderungen an die operativen Tätigkeiten einer betrieblichen Feuerwehr entsprechen. Dabei werden folgende Fragen beantwortet:

  • Wie viele Kräfte müssen wann an der Einsatzstelle sein?
  • Welche Aufgaben sind im Zusammenspiel mit betrieblichen Maßnahmen und weiteren (Einsatz-)Kräften zu erfüllen?
  • Welche Einsatztechnik wird benötigt?

Erst diese Szenarien erlauben eine belastbare Aussage zu der Frage: Ist eine betriebliche Feuerwehr erforderlich, und wie muss diese dann dimensioniert und ausgestaltet werden? [...]

Weiterlesen? Der vollständige Artikel ist in Ausgabe 1.2026 des FeuerTrutz Magazins (Februar 2026) erschienen. Darin erläutert der Autor verschiedene Wechselwirkungen zwischen Prävention und Notfallreaktion wie Sicherheitskultur, Stationäre Systeme vs.manuelle Maßnahmen, Ortskenntnisse vs. Normkonformität usw. und zieht ein Fazit.

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zuletzt editiert am 09. April 2026