Ein Brandereignis in einem Serverraum oder Rechenzentrum hat schwere Konsequenzen: Der Brand selbst verursacht zunächst immense Schäden an der Infrastruktur, die durch den Einsatz konventioneller Brandbekämpfungssysteme noch vergrößert werden. Das führt neben dem eigentlichen Materialschaden auch zu langen Betriebsausfällen. Dem kann vorgebeugt werden: Der Beitrag zeigt drei Möglichkeiten der Brandvermeidung.
Eine Methode, um Schäden durch Feuer zu vermeiden, ist die aktive Brandvermeidung mittels Sauerstoffreduktion. Eine Brandvermeidungsanlage reduziert den Sauerstoffgehalt permanent, kontrolliert und reguliert die Atmosphäre in einem oder mehreren definierten Schutzbereichen automatisch und verhindert, dass ein Brand entstehen kann.
Folgen von Serverausfällen
Im IT-Bereich beschränkt sich der Schaden, den ein Brandereignis auslösen kann, nicht auf den Materialwert der Geräte und Gebäude. Viel schwerer kann ein Ausfall der Server wiegen, wenn der Kontakt mit angeschlossenen Systemen, Maschinen und vor allem zum Kunden verloren geht. Warenwirtschaftssysteme, Onlineshops, Maschinensteuerung – die Server sind oft das Gehirn des Unternehmens. Je mehr Server, desto größer sind auch das Brandrisiko und die Brandlast. In Rechenzentren, die Anforderungen an die Hochverfügbarkeit erfüllen sollen, kann selbst ein kleiner Brandschaden massive wirtschaftliche Folgen nach sich ziehen. In keinem anderen Bereich innerhalb eines Unternehmens ist ein Ausfall der Infrastruktur infolge eines Brandschadens so kritisch wie in der IT.
Löschwasser aus Sprinkleranlagen kann elektrische Geräte beschädigen und führt im schlimmsten Fall zum vollständigen Verlust des Funktionsumfangs. Sprinkler reagieren darüber hinaus erst, wenn ein Feuer bereits ausgebrochen ist. In den meisten Fällen ist es dann schon zu spät: Der Server ist nicht mehr intakt und die technische Infrastruktur steht still. Zudem muss bei einem Löschvorgang beachtet werden, dass der Raum stromlos geschaltet wird. Wenn das nicht passiert, kommt es in vielen Fällen durch den Lichtbogen eines Kurzschlusses zum Wiederentzünden des gelöschten Brandes.
Mit der Technologie der Sauerstoffreduktion ist das Stromlosschalten hinfällig. Es kann sich keine Flamme bilden – auch nicht aufgrund von stark erhitzten Kabeln oder Platinen. Eine Überhitzung als Folge eines Kurzschlusses kann zwar einzelne Bauteile beeinträchtigen, jedoch nicht mehr zu einem Brandereignis führen. Ein längerer Ausfall der Server aufgrund eines Brandereignisses ist ausgeschlossen.
Brandvermeidung im Serverraum
Aufgrund der Reduktion des Sauerstoffgehalts in einem definierten Schutzbereich kann ein Brandereignis nicht mehr entstehen. Die brandvermeidende Atmosphäre wird geschaffen, indem Stickstoff mit geeigneten technischen Anlagen aus der Umgebungsluft gewonnen wird. Die Umgebungsluft wird dadurch weder verschlechtert noch manipuliert. Jedes ausgesonderte Stickstoffmolekül, das in den Schutzbereich gelangt, kehrt je nach Dichtheit des Schutzbereichs früher oder später wieder dorthin zurück, woher es gekommen ist. Um den in der Luft reichlich vorhandenen Stickstoff zu gewinnen, braucht es nichts weiter als (Luft-)Druck und einen Filter.
Dafür stehen drei unterschiedliche Methoden/Techniken zur Verfügung:
- Membrantechnik
- PSA-Technik
- VPSA-Technik
Alle drei Verfahren wurden speziell dafür entwickelt, Stickstoff aus der Umgebungsluft herauszufiltern. Die Unterschiede in Bezug auf den Energiebedarf sind allerdings beträchtlich. Darüber hinaus ist nicht jede Methode für jede Anwendung gleichermaßen geeignet. Vor der Anschaffung einer Sauerstoffreduktionsanlage sollte daher gründlich geprüft werden, welcher Anlagentyp für den gewünschten Einsatz der richtige ist. Die Sauerstoffmessung erfolgt mithilfe einer Steuerzentrale und optischer Sensoren. Sie erfassen die Konzentration des Luftgemisches mit maximaler Präzision.
Maßnahmen zur Dichtigkeit
Damit der Sauerstoffgehalt auch unter wirtschaftlichen Aspekten erfolgreich reduziert und aufrechterhalten werden kann, ist es notwendig, den Luftaustausch im Raum so gering wie möglich zu halten. Das gilt im Übrigen auch für die Verwendung von Gaslöschanlagen – die Haltezeit des Löschgases im Raum nach Auslösen der Löschanlage muss über eine definierte Zeit gewährleistet sein.
Was trotz ordnungsgemäßer Einrichtung des Schutzbereichs passieren kann: Über die Jahre können Risse in Wänden und Decken entstehen. Es können sich Setzfugen bilden. Vor allem nachträgliche Installationen von Kabeln und Leitungen führen zudem zu Veränderungen der Raumdichtigkeit. Bei einer Gaslöschanlage können diese Änderungen gravierend sein: Ist die Haltezeit nicht mehr gewährleistet, ist die Löschfunktion nicht mehr gegeben.
Der entscheidende Vorteil der Brandvermeidung: Bereits unmittelbar nach der Inbetriebnahme der Anlage kann jeder Betreiber Veränderungen der Raumdichtigkeit feststellen, denn die Laufzeit der Anlage ist abhängig von der Luftaustauschrate. Da die Laufzeit der Anlage im Vorhinein berechnet und definiert wird, sind Veränderungen der Laufzeit somit ein klares Signal für eine veränderte Raumdichtigkeit.
Der Artikel ist in Ausgabe 4.2023 des FeuerTrutz Magazins (August 2023) erschienen.
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