Ein handgezeichnetes Balkendiagramm mit einem abfallenden roten Pfeil, das einen Rückgang darstellt.
Die Brandunfälle mit Todesfolge in Deutschland liegen 2023 erstmals unter 300: Wie sind diese Daten zu interpretieren? (Quelle: Adobe Firefly)

Forschung 2025-04-30T12:44:57.727Z Daten zu Brandtoten: Interpretation sinkender Fallzahlen

Die bundesweiten Brandunfälle mit Todesfolge haben im Jahr 2023 mit 283 erstmals die Zahl von 300 unterschritten. Grund zur Zufriedenheit mit den Früchten erfolgreicher Brandschutzmaßnahmen? Der Beitrag gibt einen Überblick über die verfügbaren statistischen Datenquellen, hinterfragt häufig zitierte Begründungen für den stetigen Rückgang der Brandtoten kritisch und stellt alle Daten in einen demografischen Zusammenhang sowie in Bezug zur allgemeinen Unfallereignisstatistik.

Oft sind Ängste vor persönlichen Haftungsrisiken der Haupttreiber für Brandschutzmaßnahmen. Mitunter sind es auch singuläre Ereignisse wie der Schneizlreuther Almhaus-Brand, die dann bayernweite Nachbesserungen auslösen. Hintergrund in diesem Beispiel war die Verurteilung des (inzwischen Ex-)Bürgermeisters 2017 – die Medien berichteten [1].

Dem gegenüber stehen hohe Kosten. Jährlich sind dies laut Statista rund 8 Mrd. Euro für Brandschutzprodukte [2], in die Dienstleistungen, der Aufwand bei Behörden sowie Feuerwehreinsätze nicht eingerechnet sind. Dies kann dazu führen, dass die Budgets für andere Themen unangemessen limitiert bleiben: So ist die Zahl der tödlichen Stürze z. B. auf 20.845 gestiegen. Und so fordert etwa die Vorsitzende des VdK, dass Barrierefreiheit denselben Stellenwert wie der Brandschutz haben sollte [3].

Ein erheblicher Teil der Veränderungen der Zahl der tödlichen Brandunfälle geht auf das Konto des allgemeinen technischen Fortschritts, der veränderten Verhaltensweisen der Menschen sowie von Veränderungen in der Demografie. Die Anstrengungen für den vorbeugenden Brandschutz leisten dabei natürlich auch einen positiven Beitrag zur Abnahme der Todesfälle. Kritisiert wird lediglich die Überformalisierung der Umsetzung, in manchen Fällen die Pauschalisierung von Maßnahmen.

Um die emotionalisierende Debatte etwas zu versachlichen und um den Wert von Sicherheitsmaßnahmen nüchtern bewerten zu können, sind objektive Daten (hier Todesfallzahlen) und davon abgeleitet eine Risikobewertung (im konkreten Fall) erforderlich.

Dieser Appell entstammt dem Streitgespräch „Brandschutz-Irrsinn“ aus Sicht des noch heute amtierenden Tübinger Oberbürgermeisters Boris Palmer [4] auf dem FeuerTrutz Brandschutzkongress 2016. So umstritten Palmers Äußerungen auch sein mögen: Sie regen zum Nachdenken an. An den ersten Punkt, „objektive Daten“, schließt auch eine aufschlussreiche Publikation in Ausgabe 5.2022 des FeuerTrutz Magazins an. Die „Analyse der Brandtotenentwicklung in Deutschland“ von Pahlsmeier und Geburtig [5] stellt neben fundierten Daten auch einige (zwischen die Zeilen geschriebene) interessante Lösungsansätze im Sinne von „weniger ist mehr“ vor.

Ein Balkendiagramm zeigt die Anzahl der tödlichen Brandunfälle von 1980 bis 2023, mit einem abnehmenden Trend über die Jahre.
Abb. 1: Verlauf der tödlichen Brandunfälle unter in Deutschland gemeldeten Bürgern (Quelle: Dr. Roland Leuschel)

Todesfälle aufgrund Exposition gegenüber Rauch, Feuer und Flamme

Das Statistische Bundesamt veröffentlicht im Herbst jedes Jahres die Zahlen des Vorjahrs. Unter anderem zählen dazu auch die Daten der jährlichen tödlichen Unfälle aufgrund von Rauch, Feuer und Flamme. Solide empirische Daten sind essenziell für die Bewertung von Wahrscheinlichkeiten des Auftretens möglicher künftiger Gefahren für Leib und Leben.

Die Fallzahlen in Abb. 1 zeigen einen weitgehend kontinuierlichen Rückgang der tödlichen Brandunfälle in den vergangenen Jahren – 2023 waren es noch 283. Das eingeflickte Wörtchen „weitgehend“ meint die seit 2007 erkennbare Abflachung. Das Gleiche gilt generell für Kurven, die einem Grenzwert entgegengehen. Welcher Grenzwert das sein könnte, diese heikle Frage erlaubt sich dieser Beitrag zu stellen.

Das Balkendiagramm hat die Onlinedatenbank der Gesundheitsberichterstattung des Bundes [6] als Quelle. Das gilt auch für alle weiteren in diesem Artikel genannten Daten und Darstellungen. Um genau zu sein, handelt es sich dabei um Todesfälle aufgrund von Exposition, also „Ausgesetztsein“, gegenüber Rauch, Feuer und Flamme. Bei den Opfern handelt es sich um die in den heutigen Grenzen Deutschlands gemeldete und betroffene Bevölkerung.

Als Personenunfälle gelten unbeabsichtigte, meist spontane Ereignisse mit negativen gesundheitlichen Folgewirkungen, im schlimmsten Fall mit Todesfolge. Obige Daten und Definitionen sind der „Internationalen Klassifikation der Krankheiten“ (ICD 9, 1980 – 1997, und ICD10, 1998 bis heute) entnommen. Der ICD-Code ist ein weltweit anerkanntes System, mit dem medizinische Diagnosen kodiert werden [7]. Auf jedem Behandlungsschein ist er zu finden, erst recht auf jedem Totenschein. Bei einem unnatürlichen Tod wie einem Unfalltod müssen zwei Mediziner unabhängig voneinander zum gleichen Ergebnis kommen und umfängliche Angaben machen. Kurzum: Diese Daten besitzen große Belastbarkeit und Vollständigkeit.

Die Daten unterscheiden nicht, ob sich ein Unglück im In- oder im Ausland ereignete. Entscheidend ist, wo der Todesfall „verbucht“ wird. Die gesamte Balkenreihe umfasst die Todesfallmeldungen aller 16 Bundesländer seit 1980, wenngleich Deutschland seinerzeit noch geteilt war. Die Überhöhung der Daten in den Jahren 1989 bis 1991 in Abb. 1 hat also nichts mit Bevölkerungszuwachs zu tun, wie die erste Vermutung sein könnte.

Im Diagramm der Abb. 1 sind die beabsichtigten Vorfälle etwa der Selbst- oder Fremdtötung und ebenso unbestimmte Tathergänge nicht enthalten. Addiert man diese 99 Fälle der Daten von 2023 hinzu, ergäben sich 283 + 99 = 392 Brandtote.

Betrachtet man hingegen nur die Brandunfälle in Gebäuden und filtert nach denjenigen, die definitiv Gebäuden zugerechnet werden können, so reduziert sich die Zahl der tödlichen Brandunfälle im Jahr 2023 womöglich auf 203 Fälle. Die Suche nach „Brandtoten“ kann daher zu unterschiedlichen Zahlen, z. B. denen des Deutschen Feuerwehrverbandes [8] oder denen des Statistischen Bundesamtes [9], führen.

In jedem Fall lohnt sich der Blick in die Quelldaten. Darin findet man fast alles, was für eine solide retrospektive Untersuchung und für Prognosen für die Zukunft wichtig ist: Wie oft ist etwas passiert, wo und was ist passiert, wer sind die Opfer, wie lauten die Diagnosen und vieles mehr.

Zum Beispiel fällt bei den Diagnosen der Todesursache auf, dass 45 % der bei einem Brand Verunfallten aufgrund von Rauchgas gestorben sind; im Jahr 2023 waren es 125 von 281 Fällen. Wir vertrauen dabei auf die medizinischen Diagnosen der Ärzte. Dies widerspricht der landläufigen Meinung, dass bis zu 80 % giftigen Rauchgasen zum Opfer fielen, was in unterschiedlichen Publikationen immer wieder Erwähnung findet. Einzig könnten in den Quelldaten noch die genauen Auslöser der Ereignisse und in Einzelfällen die Gründe gescheiterter Rettungen ergänzt werden. [...]

Weiterlesen? Der vollständige Artikel von Dr. Roland Leuschel (erschienen in Ausgabe 2.2025 des FeuerTrutz Magazins ) ist als kostenloser Download verfügbar. Der komplette Artikel erläutert, wo sich die tödlichen Brandunfälle ereignen und wer die Opfer sind – mit einem besonderen Blick darauf, wo eben auch nicht und wer nicht mehr, um daraus Schlüsse zu ziehen.

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